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Herr Bernd Mueller
E-Mail: bernd-walter.mueller@giz.de

Resozialisierung von Frauen nach dem Strafvollzug

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Resozialisierung von Frauen nach dem Strafvollzug (Social Care House)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jemen
Politischer Träger: Ministerium für Menschenrechte
Gesamtlaufzeit: 2004 bis 2010

Ausgangssituation

Jemen. Das Social Care House in Aden. Refugium für straffällige Frauen und Opfer von Gewalt. © GTZ

Islamisches Recht und traditionelle Praktiken diskriminieren Frauen im Jemen; sie verweigern ihnen in der Regel den Zugang zu gleichberechtigter Rechtsprechung und Rechtsbeistand. Frauen werden aufgrund von Vergehen, die im Jemen als moralisch verwerflich gelten, inhaftiert. Frauen und Mädchen, die wegen Misshandlungen ihren Ehemann und die Familie verlassen, enden in vielen Fällen mittellos auf der Strasse. Ohne gültige Ausweispapiere führt der Weg dann häufig über Betteln und Prostitution ins Gefängnis.

Die Haftbedingungen sind sehr schlecht, Betreuung und Fürsorge für mitinhaftierte Kinder und eine Vorbereitung auf die Haftentlassung fehlen. Da straffällige Frauen sozial als Aussätzige gelten, werden sie nach Haftverbüßung von ihren Familien meistens nicht wieder aufgenommen. Die Haftwärterinnen stimmen einer Entlassung in der Regel nicht zu, wenn kein männliches Familienmitglied die Frauen nach Verbüßung der Strafe abholt. Die Frauen haben keine andere Wahl, als im Gefängnis zu bleiben, da sie keine Alternativen kennen, sich ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften.

Ziel

Mithilfe des Social Care House Aden können sich inhaftierte und aus der Haft entlassene Frauen sowie Opfer von Gewalt alternativ zur Familie ein eigenes Einkommen erwirtschaften und so ihre Existenz nach der Entlassung sichern.

Vorgehensweise

Jemen. Eine Bewohnerin des Social Care House in Aden beim Erlernen der traditionellen Webtechnik. © GTZ

haftentlassene Frauen in Aden. Es wurde im ersten Projektjahr aufgebaut und mit den erforderlichen Mitteln ausgestattet. Seit 2005 nimmt das Haus weibliche Opfer von Gewalt aus dem gesamten Land auf, die an Resozialisierungsmaßnahmen teilnehmen. Es werden Aus- und Fortbildungsangebote zur Alphabetisierung, Berufsausbildung und Existenzgründung angeboten, beispielsweise Handwerksarbeiten wie Weben und Nähen.

Sozialarbeiter, Ärzte, Psychologen und freiwillige Helfer unterstützen die Frauen kontinuierlich in sozialen, psychotherapeutischen und medizinischen Belangen. Rechtsanwältinnen bieten in Kooperation mit dem Gefängnis und den Justizbehörden von Aden Beratung und Betreuung in rechtlichen Fragestellungen an.

Durch Öffentlichkeitsarbeit und regelmäßige Fortbildungsmaßnahmen von Vertreterinnen und Vertretern des Justizsektors, der Polizei und des Gefängnispersonals werden relevante Akteure und die Öffentlichkeit für die Problematik der haftentlassenen Frauen und Gewaltopfer sensibilisiert. Das Projekt unterstützt die Vernetzung jemenitischer Nichtregierungsorganisationen (NRO), die sich für die Stärkung der Rechte von inhaftierten und haftentlassenen Frauen engagieren, sowie die Zusammenarbeit mit lokalen, nationalen und internationalen Akteuren und anderen Gebern.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Das Social Care House in Aden war das erste Frauenhaus nicht nur im Jemen, sondern auf der gesamten Arabischen Halbinsel. Durch seinen Modellcharakter hat das Haus zur Gründung weiterer Frauenhäuser durch andere Organisationen beigetragen. 2008 wurde eine Bewährungseinrichtung für straffällige Mädchen mit demselben Konzept durch die As-Saleh Foundation aufgebaut, im März 2009 eröffnete die Yemeni Women’s Union, die größte NRO für Frauenrechte und Frauenbelange im Jemen, ein weiteres Frauenhaus.

Mithilfe der regionalen, nationalen und internationalen Presse ist das Social Care House eine bekannte und renommierte Institution geworden. Auch die jemenitische Gesellschaft, in der straffällige Frauen eine diskriminierte Randgruppe darstellen, ist aufmerksamer geworden und befürwortet die Unterstützung, die die Frauen durch das Social Care House erhalten.

Seit der Gründung des Hauses wurden 52 inhaftierte Frauen aus Gefängnissen der gesamten Republik und 4 kleine Kinder, von denen eines im Haus geboren ist, aufgenommen. Viele Frauen konnten nach intensiven Gesprächen mit den Angehörigen wieder in ihre Familien zurückkehren. Die meisten Frauen konnten auch wieder eine Ehe eingehen. Fünf Frauen haben nach den Trainings und Ausbildungskursen im Social Care House eine bezahlte Arbeit in Aden gefunden und sind nun in der Lage, ihr Leben selbstständig zu meistern. Alle Bewohnerinnen haben Lesen und Schreiben sowie ein Handwerk gelernt, wie beispielsweise die traditionelle jemenitische Webkunst, mit dem sie eigenes Geld verdienen können. Die selbst hergestellten Produkte werden in Ausstellungen in der Region präsentiert und zum Kauf angeboten. Zwei Bewohnerinnen studieren an der Universität Aden. Ein Mädchen, bei dem ein besonderes künstlerisches Talent entdeckt wurde, wurde vom Institute of Fine Arts in Aden aufgenommen.


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