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'Innovate or die'. Aspekte der KMU-Förderung in Tunesien

Forschung ist Umsetzung von Geld in Wissen; Innovation ist Umsetzung von Wissen in Geld

„Innovate or die“ ist heute Teil jeder modernen Unternehmensphilosophie. Selbst Traditionsunternehmen droht das aus, wenn ihnen – neben anderen Ursachen – der Mut zu Neuerungen fehlt. Innovation ist heute keine Notwendigkeit mehr, sondern ein Muss.

Dieser Überzeugung folgend finden sich vermehrt Innovationsansätze in Projekten und Programmen der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung wieder – so auch im Projekt „Unterstützung der Klein- und Mittelindustrie (KMU) bei der Marktöffnung“, Tunesien, in dem die Themen Innovation und Unternehmensentwicklung zentraler Bestandteil sind.

Dabei müssen die in Betracht kommenden europäischen Innovationssysteme, die in den letzten 20-30 Jahre entwickelt wurden und gereift sind und erhebliche finanzielle Mittel verschlungen haben, landesspezifisch angepasst werden; sie lassen sich nicht 1:1 übertragen. Dies ist zwar keine neue Erkenntnis, sondern wird klassischerweise bereits in der Entwicklungszusammenarbeit berücksichtigt. Aber auch hier muss Ausgangspunkt jeglicher systematischer Überlegungen das Unternehmen selbst sein. Neue Strategien und Produkte müssen Resonanz am Markt finden - alles andere ist Geldverschwendung.  Es stellt sich daher in der Beratung schnell die Frage nach der Innovationsfähigkeit auf Unternehmensebene – wie kann diese schnell und erfolgreich gemessen und beschrieben werden?

Aufbauend auf Fragebogenansätzen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, und des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo), München, wurde im KMU-Projekt Tunesien ein Weg gefunden, das Innovationsniveau von Unternehmen zu messen. An verschiedenen Standorten des Projektes wurden in einem mehrstufigen Verfahren 119 Unternehmen von geschulten Interviewern befragt und stichprobenartig Daten erhoben.
Eine auf den Daten aufbauende Studie weist Ansätze auf, wie der Aspekt Innovation mit bestmöglicher Wirkung in die Beratung von KMU einbezogen werden kann und die knappen Fördermittel effizient eingesetzt werden können. Von der Studie profitiert nicht nur das Projekt selbst, sondern auch politischen Entscheidungsträger in Tunesien sowie andere internationale Geber.

Einige Ergebnisse der Studie: 

  • Marketing - obwohl ein hoch relevantes Innovationsfeld - fällt deutlich in der Bedeutung gegenüber den Feldern Produkt, Prozess und Organisation zurück. 
  • In Tunesien werden Innovationen nicht - wie andernorts üblich - gemeinsam mit anderen entwickelt. Unternehmer agieren im Vergleich überproportional oft alleine oder haben keine Kooperationspartner. Wenn sie dennoch kooperieren, dann nicht mit den staatlich stark geförderten Technologiezentren (Technopols), sondern mit privaten Unternehmensberatern als wichtigsten Partnern. 
  • Auslöser von Innovationen sind eher unternehmensinterner und nicht externer Natur. Der Direktionsebene kommt eine Schlüsselrolle zu, Abteilungen für Forschung und Entwicklung sind nur bei den wenigen Großunternehmen relevant, die klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) hat ohnehin keine solchen Abteilungen. 
  • Wenn dennoch externe Anstöße wirksam werden, kommen diese von Kunden und nicht von Transferstellen oder der Wissenschaft. 
  • Bremsend für Innovation sind nicht unbedingt wirtschaftliche Faktoren wie fehlendes Kapital, sondern fehlende externe Fachkräfte (Human Ressource).

Die Ergebnisse zeigen deutlich potentielle Ansatzpunkte der Zusammenarbeit im Projekt „Unterstützung der Klein- und Mittelindustrie (KMU) bei der Marktöffnung“.


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