![]() |
|
Ansprechpartner |
Friedensentwicklung durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen Staat und ZivilgesellschaftProgrammkurzbeschreibung
Bezeichnung: Friedensentwicklung durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen Staat und Zivilgesellschaft (Programm CERCAPAZ)
AusgangssituationKlientelismus, Korruption und die Verstrickung staatlicher Akteure in die seit vielen Jahrzehnten andauernde Gewaltdynamik in Kolumbien haben die Leistungsfähigkeit des Rechtsstaates nachhaltig geschwächt. Die Folgen: Kolumbianerinnen und Kolumbianer hegen großes Misstrauen gegenüber einer funktionierenden Rechtsstaatlichkeit der Regierung und ihrer Organe. Sie vertrauen kaum auf ihre Rechte und Möglichkeiten als mündige Bürger wahrgenommen und unterstützt zu werden. Die mit der neuen Verfassung von 1991 eingeleiteten Reformen haben zwar formal zu einer Öffnung des politischen Systems und zu mehr Bürgerbeteiligung geführt, laufen jedoch Gefahr von unterschiedlichen Interessengruppen instrumentalisiert zu werden. Zahlreiche gesellschaftliche und staatliche Friedensinitiativen engagieren zwar sich gegen die Veralltäglichung der Gewalt, sind jedoch kaum in übergreifende nationale Strukturen eingebunden. Für eine nachhaltige Friedensentwicklung müssen Allianzen zu einer effektiveren Zusammenarbeit von staatlichen und gesellschaftlichen Akteuren geschaffen und intensiv gefördert werden. ZielStärkung des generellen Vertrauensverhältnisses zwischen Zivilgesellschaft und Rechtsstaat. Eine transparente, nachhaltige und auf Vertrauen basierende Zusammenarbeit zwischen Bürgern, zivilgesellschaftlichen Gruppen und staatlichen Organen. Konsolidierung von Bürgerrechten und –Beteiligung an gesellschaftlichen Prozessen und eine effizientere Rechenschaftslegung von Seiten der Staatsorgane. Lokale, regionale und nationale Akteure entwickeln gemeinsame Strategien zur Friedensentwicklung. VorgehensweiseDas Programm CERCAPAZ (Cooperación entre Estado y Sociedad Civil para el Desarrollo de la Paz – Friedensentwicklung durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen Staat und Zivilgesellschaft) begegnet dem Konflikt an seinen strukturellen Ursachen, indem es gleichermaßen zivilgesellschaftliche und staatliche Leistungsfähigkeit für eine friedliche Konfliktbeilegung stärkt (Capacity Development). Es fördert Maßnahmen zur Vertrauensbildung, Dialogprozesse und schafft neutrale Räume für die Auseinandersetzung und Erarbeitung von Konfliktlösungsstrategien. CERCAPAZ konzentriert sich in Kolumbien zurzeit auf zwei Schwerpunktregionen: CERCAPAZ arbeitet sowohl auf lokaler/regionaler als auch auf nationaler Ebene mit zahl- und variationsreichen Akteuren und Gruppen. Darunter u.a. Friedens-, Frauen- und Jugendorganisationen, Gemeinden, Privatwirtschaft und Ministerien. Möglichst alle gesellschaftlich relevanten Akteure werden in den Transformationsprozess des vielschichtigen Konflikts miteinbezogen. Es werden Institutionen und Akteure gestärkt und ihre positiven Erfahrungen in Bezug auf andere und neue Wege der Konfliktaustragung können in Pläne und Strategien auf nationaler Ebene einfließen. Lernprozesse werden initiiert, die zukünftig einen Multiplikatoreneffekt entwickeln sollen. Visionen und Strategien der Friedensentwicklung werden zunehmend gemeinsamen von lokalen, regionalen und nationalen Akteuren entwickelt und in der Öffentlichkeit verantwortlich vertreten. Eine sogenannte Friedenskultur, die alle Bereiche des täglichen Miteinanders umfasst, ist in Kolumbien aufgrund des seit Generationen andauernden Gewaltkonflikts kaum ausgeprägt. Die Kolumbianer leben in einer Gesellschaft, in der Gewalt im Kleinen wie im Großen als ein gelerntes und probates Mittel erscheint. Wirkungsvolle Strategien, einen Konflikt zunächst in seinen Strukturen und Möglichkeiten zu verstehen, bzw. ihn im Dialog friedfertig und konstruktiv zu lösen, haben die Menschen in diesem Land bislang kaum erfahren. CERCAPAZ fördert die nachhaltige Entwicklung einer individuellen Friedenskultur im Sinne eines zivilen Umgangs im täglichen Miteinander. Dazu gehören beispielsweise auch Fortbildungsmaßnahmen zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung und Initiativen, die Versöhnung, Gleichberechtigung und Integration der vom Konflikt gefährdeten und betroffenen Bevölkerungsgruppen fördern. Die GTZ führt CERCAPAZ, im Auftrag des Bundesministeriums für Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ), komplementär zu Programmen anderer Geber, wie der EU oder der Weltbank, durch. Wirkung – Was bisher erreicht wurdeDie Regional- und Gemeindewahlen im Oktober 2007 waren eine Art Referenzrahmen für die Arbeit des Programms. Im Vorfeld der Wahlen wurden Diskussionsforen mit Wählern und Kandidaten organisiert. CERCAPAZ unterstützte ausgewählte Gemeinden bei der Erstellung ihrer Entwicklungspläne, die nun die Regierungsgrundlage für die nächsten vier Jahre darstellen. Gemeindeentwicklungspläne, die nach den Wahlen 2007 erstellt wurden, beinhalten nun zum ersten Mal Themen, wie Versöhnung, Gleichberechtigung und Friedensentwicklung. Einige der von CERCAPAZ beratenen Gemeinden haben nun sogenannte ‚Friedensagenden‘ aufgestellt, d.h. das Thema „friedfertiger Umgang miteinander“ gilt nun für diese Gemeinden offiziell als ein angestrebtes Ziel. Zur Einübung demokratischer Strukturen und Transparenz hat der Bundesrechnungshof eine von CERCAPAZ entwickelte Methode der „sozialen Kontrolle“ von öffentlichen Mitteln als Beispiel für alle regionalen Rechnungshöfe verpflichtend eingeführt. Dabei werden Schüler der letzten Klasse angehalten, selbstständig die Finanzführung von öffentlichen Einrichtungen zu überprüfen. Unter Anleitung ihrer Lehrer und mit Unterstützung der lokalen Rechnungshöfe nehmen die Schüler einen Betrieb unter die Lupe und gucken sich genau an, wie und wofür öffentliche Subventionen verwendet wurden. Anschließend erarbeiten sie einen Prüfungsbericht mit detaillierten Verbesserungsvorschlägen. Gemeinsam mit dem Präsidialprogramm für Jugend („Colombia Joven“), dem Kinderfond der Vereinten Nationen UNICEF und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) unterstützt CERCAPAZ die Initiative für Friedensfußball El GOLOMBIAO. Von CERCAPAZ unterstützte regionale Jugendgruppen haben sich kürzlich zu einem nationalen Verband zusammengeschlossen, um die Erfahrungen von lokalen und regionalen Jugendpolitiken in die nationale Diskussion einzubringen. Interesse und Engagement der Jugendlichen für die kleine und große Politik haben somit enorm zugenommen. Sie haben verstanden, dass die Mitgestaltung bei der Entscheidung ihrer Belange über demokratische Strukturen funktionieren kann. Aus eigener Erfahrung erleben die Jugendlichen nun, dass Politik nicht etwas Statisches sondern ein dynamischer Prozess ist! Ähnliche Erfahrungen machen auch Frauen, die sich zunehmend politisch engagieren. Dieses Engagement wird u.a. durch die Kampagne „Mas Mujeres más Politca“ (zu Deutsch „Mehr Frauen - Mehr Politik“) von CERCAPAZ gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung unterstützt und führte zu einer größeren Beteiligung von Frauen an den Gemeinde und Regionalwahlen in 2007. Auch im Umweltbereich hat CERCAPAZ mit seinen Interventionen Erfolge zu verzeichnen: In der Region ORIENTE DE CALDES stritten Energieunternehmen, Bauern und Fischer sowie die Lokalregierung lange Zeit darüber, ob und wie der Fluss GUARINÓ zur Speisung eines Staudamms umgeleitet werden durfte. Fischer und Bauern bangten um ihre Lebensgrundlagen, das Energieunternehmen bestand auf der Wassernutzung für ein Kraftwerk zur maximalen Energiegewinnung. Ein wichtiger Friedensakteur, dessen Potenzial in Kolumbien bislang noch kaum involviert wurde, ist die Privatwirtschaft. CERCAPAZ arbeitet gezielt mit Unternehmen zusammen, um „Corporate Social Responsibility“ als Beitrag zur Friedensschaffung zu etablieren, der sich auch ökonomisch lohnt. So wurden unter anderem durch die Ausschreibung eines Friedenspreises, in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer Stiftung, 2008 insgesamt 31 Initiativen zur Friedensförderung durch Unternehmer und Unternehmerinnen dokumentiert und vorgestellt. Die Stärkung der sozialen Verantwortung von Unternehmen im Kontext der Konfliktsituation hat CERCAPAZ als neues Thema in der öffentlichen Diskussion verankert. Verschiedene Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft (Public Private Partnership – PPP) können als Beispiele angeführt werden. So wurden beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Papierproduzenten Smurfit Kappa Carton Möglichkeiten zur legalen Einkommenssteigerung für 450 betriebsnahe Familien geschaffen. Weiterführende Informationen
|
AktuellesFußball und Entwicklungszusammenarbeit. Rote Karte für Gewalt Kolumbien: In dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land üben sich Jugendliche beim „Friedensfußball“ in Toleranz und gegenseitigem Respekt. Kolumbien: Der lange Weg zur Friedenskultur
Wie das soziale Engagement der Privatwirtschaft dazu beitragen kann |