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Projekte > Kurzbeschreibungen > CERCAPAZ: Friedensentwicklung durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen Staat und Zivilgesellschaft

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Herr Peter Hauschnik
E-Mail: peter.hauschnik@giz.de

Friedensentwicklung durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen Staat und Zivilgesellschaft

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Friedensentwicklung durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen Staat und Zivilgesellschaft
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kolumbien
Politischer Träger: Agencia Presidencial para la Acción Social y la Cooperación
Gesamtlaufzeit: 2007 bis 2015

Ausgangssituation

Klientelismus, Korruption, Kämpfe mit illegal bewaffneten Gruppen, Drogenanbau und -Vermarktung sowie die Verstrickung staatlicher Akteure in die seit vielen Jahrzehnten andauernde Gewaltdynamik in Kolumbien haben die Leistungsfähigkeit des Rechtsstaates nachhaltig geschwächt. Die Folgen: Kolumbianerinnen und Kolumbianer hegen große Zweifel gegenüber einer funktionierenden Rechtsstaatlichkeit der Regierung und ihrer Organe. Sie vertrauen kaum auf ihre Rechte und Möglichkeiten, als mündige Bürger wahrgenommen und unterstützt zu werden.

Eine Friedenskultur, die alle Bereiche des Miteinanders umfasst, ist aufgrund des seit Generationen andauernden Gewaltkonflikts kaum entwickelt. Wirkungsvolle Strategien, einen Konflikt zu verstehen und ihn im Dialog friedlich und konstruktiv zu lösen, haben die Menschen in diesem Land bislang kaum kennen gelernt. Zahlreiche gesellschaftliche und staatliche Friedensinitiativen engagieren sich zwar gegen die Veralltäglichung der Gewalt, sind jedoch kaum national organisiert. Für eine nachhaltige Friedensentwicklung müssen Allianzen für eine effektivere Zusammenarbeit von staatlichen und gesellschaftlichen Akteuren geschaffen und intensiv gefördert werden.

Ziel

Bürger, zivilgesellschaftliche Gruppen und staatliche Organen arbeiten vertrauensvoll transparent und nachhaltig zusammen. Erreicht sind die Konsolidierung von Bürgerrechten, Bürgerbeteiligung an gesellschaftlichen Prozessen, eine effizientere Rechenschaftslegung der öffentlichen Verwaltung sowie die Entwicklung gemeinsamer Strategien zur Friedensentwicklung durch lokale, regionale und nationale Akteure.

Vorgehensweise

Das Programm CERCAPAZ (Cooperación entre Estado y Sociedad Civil para el Desarrollo de la Paz) begegnet dem Konflikt an seinen strukturellen Ursachen. Es stärkt gleichermaßen zivilgesellschaftliche und staatliche Leistungsfähigkeit (Capacity Building) für eine friedliche Konfliktbeilegung. Das Programm fördert vertrauensbildende Maßnahmen und Dialogprozesse und schafft neutrale Räume für die Erarbeitung von Konfliktlösungsstrategien. CERCAPAZ verfolgt einen Kooperationsansatz und unterstützt Reformprozesse.

Möglichst alle gesellschaftlich relevanten Akteure werden in die Transformationsprozesse vielschichtiger Konflikte einbezogen und in ihren jeweiligen Rollen gestärkt. Dazu gehören Friedensinitiativen, Frauen- und Jugendorganisationen, Gemeinde- und Landesverwaltungen, die Privatwirtschaft und Ministerien. Das Programm arbeitet lokal und regional in zwei Schwerpunktregionen, in der Kaffeezone Eje Cafetero und in Nororiente, dem Nordosten des Landes.

Positive Erfahrungen mit neuen Wegen der Konfliktaustragung und -beilegung werden in Politikvorschläge, Entwicklungspläne und Strategien von der Gemeinde bis hin zur Nationalregierung eingebracht. Lernprozesse mit Multiplikatoreffekt werden initiiert. CERCAPAZ fördert außerdem die nachhaltige Entwicklung einer individuellen Friedenskultur, den zivilen Umgang im täglichen Miteinander. Dazu gehören Fortbildungsmaßnahmen zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung und die Unterstützung von Initiativen, die Versöhnung, Gleichberechtigung und Integration der vom Konflikt gefährdeten und betroffenen Bevölkerungsgruppen fördern.

Die Programmkomponente „Nachhaltiges und friedensförderndes Management von Umwelt und natürlichen Ressourcen“ wird von der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) der beiden Consultingfirmen IP Consult und AMBERO Consulting Gesellschaft mbH durchgeführt.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Zusammen mit seinen Partnern unterstützte das Programm ausgewählte Gemeinden bei der Erstellung ihrer vierjährigen Entwicklungspläne, die zum ersten Mal Themen wie Versöhnung, Gleichberechtigung und Friedensentwicklung beinhalten. Zuvor hatte CERCAPAZ im Vorfeld der Regional und Gemeindewahlen (2007) Diskussionsforen mit Wählern und Kandidaten organisiert.

Schülerinnen und Schüler der letzten Klasse führen ein soziales Projekt durch. Die von CERCAPAZ entwickelte Methode der sozialen Kontrolle durch Jugendliche wurde vom nationalen Rechnungshof als vorbildliches Beispiel zur Einübung demokratischer Strukturen und Transparenz hervorgehoben. Die Jugendlichen führen, unter Anleitung von Lehrern und Vertretern des lokalen Rechnungshofes, selbstständig eine Finanzprüfung von öffentlichen Einrichtungen durch. Der nationale Rechnungshof hat diese Methode allen regionalen Rechnungshöfen zur Einführung empfohlen und entsprechende Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt.

Gemeinsam mit dem Präsidialprogramm für Jugend (Colombia Joven) und dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) unterstützt CERCAPAZ die Initiative für Friedensfußball El Golombiao. Ein Fußballspiel mit ganz eigenen Regeln: So muss das erste Tor von einem Mädchen geschossen werden und faires Spiel wird mit Pluspunkten belohnt. Wo Golombiao Fuß gefasst hat, ist der Einfluss gewalttätiger Jugendbanden zurückgegangen. Von CERCAPAZ unterstützte regionale Jugendgruppen haben sich 2009 zu einem nationalen Verband zusammengeschlossen, um die Erfahrungen lokale und regionale Jugendpolitiken in die nationale Diskussion einzubringen.

In Cartagena hat die 2007 gewählte Bürgermeisterin gemeinsam mit Vertreterinnen verschiedener Frauenorganisationen, und unterstützt von CERCAPAZ, Politikrichtlinien entwickelt, die die Stärkung der Frauenrechte in der Stadt fördern sollen. Diese Richtlinien werden inzwischen von einer eigens eingerichteten Abteilung in der Stadtverwaltung in Projekten und Aktionsplänen umgesetzt.

Durch viele künstlerische, kreative und innovative Initiativen werden gewaltfreie Methoden der Konflikttransformation wie Golombiao als Beitrag zu einer Friedenskultur gefördert. In Kooperation mit der Nationalen Universität (Universidad Nacional de Colombia – UNAL) und der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) wurde der erste Aufbaustudiengang “Do-No-Harm und Friedensförderung” eingerichtet. Bereits im ersten Durchgang bewarben sich statt wie üblich 30 bis 35 Personen 93 Interessierte. Mittlerweile wird der Studiengang von der UNAL eigenständig angeboten und von verschiedenen Institutionen, wie der Nationalen Versöhnungskommission, nachgefragt.

Als neutraler Akteur brachte CERCAPAZ vielfach Konfliktparteien an einen Runden Tisch. In der Region Oriente de Caldas stritten Energieunternehmen, Bauern und Fischer sowie die Lokalregierung lange Zeit darüber, ob und wie der Fluss Guarinó zur Speisung eines Staudamms umgeleitet werden durfte. Während Fischer und Bauern um ihre Lebensgrundlagen bangten, bestand das Energieunternehmen auf der Wassernutzung für ein Kraftwerk zur maximalen Energiegewinnung. Der Streit verhärtete sich, sodass die Parteien nicht mehr miteinander sprachen. Heute suchen die Parteien wieder gemeinsam nach einer Lösung, um den Fluss und sein Einzugsgebiet zu retten.

CERCAPAZ mobilisiert Unternehmen als Friedensakteure, um Corporate Social Responsibility (CSR) als Beitrag zum Frieden zu etablieren. 2008 wurde in Zusammenarbeit mit dem United Nations Global Compact und anderen UN-Agenturen eine Fortbildung für Unternehmen zum Thema Menschenrechte entwickelt. Von mehr als 180 geschulten Unternehmern haben rund 100 firmeneigene CSR-Aktionspläne aufgestellt oder bestehende aktualisiert, die die Menschenrechte berücksichtigen.

Einige Erfolge in Zahlen

  • Fast drei Viertel der betreuten Gemeinden integrieren die Themen Frieden, Inklusion und Gleichberechtigung in ihre Gemeindepläne.
  • Bislang nahmen 2.000 Schülerinnen und Schüler in 30 Gemeinden an Finanzprüfungen teil.
  • Derzeit 15 Bürgermeisterinnen bilden ein nationales Netzwerk.
  • Seit 2008 wurden 86 Friedensinitiativen vorgestellt.
  • Eine Basisstudie zu Methoden in der berufsbegleitenden Lehrerfortbildung, zur Qualität von Lehren und Lernen in Grundschulen und weiterführenden Schulen wurde durchgeführt.

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Weiterführende Informationen


Aktuelles

Frieden konkret gestalten
ExpoPaz, die erste Messe regionaler Initiativen zur Friedensentwicklung in Kolumbien
Fußball und Entwicklungszusammenarbeit. Rote Karte für Gewalt
Kolumbien: In dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land üben sich Jugendliche beim „Friedensfußball“ in Toleranz und gegenseitigem Respekt.

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