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Frau Nicole Nucinkis
E-Mail: nicole.nucinkis@giz.de

Indigene Interkulturelle Universität

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Indigene Interkulturelle Universität (IIU)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Ecuador, Guatemala, Kolumbien, Mexiko, Nicaragua, Peru, Spanien
Politischer Träger: Fondo para el Desarrollo de los Pueblos Indígenas de América Latina y el Caribe mit Sitz in La Paz, Bolivien
Gesamtlaufzeit: 2005 bis 2011

Ausgangssituation

In vielen lateinamerikanischen Staaten wird die indigene Bevölkerung in neu verabschiedeten Gesetzen als Teil einer multikulturellen Gesellschaft anerkannt. Gleichzeitig werden Einfluss und Rechte indigener Organisationen gestärkt. Weiterhin wird jedoch gut ausgebildetes Personal dringend benötigt, um die indigene Beteiligung in staatlichen, ökonomischen und gesellschaftlichen Strukturen zu verbessern.

Das bestehende Bildungssystem wird den Ausbildungsanforderungen der indigenen Bevölkerungsschichten nicht gerecht. Indigene Frauen haben außerdem immer noch ein niedrigeres Bildungsniveau als indigene Männer und brauchen mehr und verbesserten Zugang zu höheren Bildungseinrichtungen. Traditionelles indigenes Wissen fließt zudem kaum in die allgemeine Hochschulausbildung ein, sodass wertvolle Potenziale für den interkulturellen Austausch nicht genutzt werden.

Vorhandene Lehrangebote zu indigenen Themen sind nicht auf die Förderung der zunehmend immer wichtiger werdenden Rolle der indigenen Bevölkerung in aktuellen gesellschaftlichen und politischen Prozessen ausgerichtet.

Ziel

Die Indigene Interkulturelle Universität ist aufgebaut. Die indigene Bevölkerung hat Zugang zu qualifizierter Hochschulausbildung, die indigenes Wissen gleichberechtigt einschließt. Indigenen und internationalen Organisationen sowie den lateinamerikanischen Regierungen stehen hoch qualifizierte Fach- und Führungskräfte für indigene und interkulturelle Aufgabenfelder in ihren jeweiligen Gesellschaften zur Verfügung.

Vorgehensweise

Das Projekt unterstützt fachlich, organisatorisch und finanziell die Einrichtung von Postgraduierten-Studiengängen, die besonders auf die Bedürfnisse indigener Studierender ausgerichtet sind. Der politische Träger (Fondo Indígena) und die Universitätsinstitute der elf beteiligten Länder werden beim Aufbau eines regionalen Ausbildungsnetzwerks beraten.

Zum virtuellen IIU-Netzwerk gehören 25 Universitäten in Lateinamerika und eine in Spanien. Angeboten werden Intensivkurse mit einer Dauer von drei bis vier Monaten, einjährige Diplom- oder Spezialisierungskurse und zweijährige Masterstudiengänge.

Kurse werden auch als Fernstudium mit Teilpräsenz angeboten, um Frauen und Männern das Studium zu ermöglichen, die auf Grund ihrer Arbeitsbedingungen, Wohn- und Einkommenssituation in der Regel keinen Zugang zu Universitäten haben. Der Hauptteil des Studiums wird dabei über ein Online-System absolviert. In zweimal jährlich stattfindenden Präsenzphasen vermitteln indigene Expertinnen und Experten aus ganz Lateinamerika Lehrmodule zu indigener Geschichte und Weltanschauung, Traditionen und Wissen am Lehrstuhl für Indigene Studien. Die Einbindung dieses Lehrstuhls in bestehende Universitäten ist die wichtigste Innovation des Vorhabens. Westlich sozialisierte und indigene Akademikerinnen und Akademiker arbeiten zusammen, was den interkulturellen Lernprozess intensiv fördert.

Folgende Studiengänge werden angeboten:

  • Indigenes Recht
    Universidad de la Frontera (Temuco, Chile)
  • Interkulturelle Medizin
    Universidad de las Regiones Autónomas de la Costa Caribe Nicaragüense (Bilwi, Nicaragua)
  • Interkulturelle zweisprachige Erziehung
    Universidad de San Simón (Cochabamba, Bolivien)
  • Indigene Völker, Menschenrechte, und internationale Zusammenarbeit
    Universidad Carlos III (Madrid, Spanien)
  • Regierungsführung, öffentliche Politik und indigene Weltanschauung
    Universidad Estatal a Distancia (San José, Costa Rica)
  • Selbstbestimmte Entwicklung für „Gutes Leben“ (Desarrollo con identidad para el Buen Vivir)
    Universidad Autónoma Indígena Intercultural (Popayán, Kolumbien)
  • Erhalt indigener Sprachen und Kulturen
    Universidad Nacional Mayor de San Marcos (Lima, Perú)
  • Stärkung der Führungskompetenzen indigener Frauen
    Centro de Investigaciones y Estudios Superiores en Antropología Social – CIESAS (Mexico)

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Seit ihrer Einführung sind die Postgraduierten-Angebote auf großes Interesse bei Akademikern und indigenen Autoritäten gestoßen. Das verdeutlicht die hohe Anzahl an Bewerbern: In der bald vierjährigen Laufzeit waren es über 2.500 Personen. Diese Bewerber kamen aus 20 Ländern und repräsentierten etwa 90 indigene Völker. Insgesamt haben sich bereits 443 Studenten in die verschiedenen Studiengänge eingeschrieben (225 Männer und 218 Frauen). 301 Studenten haben ihr Studium erfolgreich abgeschlossen (153 Männer und 148 Frauen). 92 Studenten nehmen zurzeit an verschiedenen Kursen teil.

Eine Verbleibstudie unter 40 Prozent der Graduierten zeigte, dass diese bis Ende 2010 tatsächlich als Fach- und Führungskräfte eingesetzt wurden. 90 Prozent der befragten Personen arbeiten in indigenen und internationalen Organisationen, staatlichen Institutionen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Mehr als die Hälfte sind in Führungsposten tätig. 8 Prozent der Absolventen geben an, dass sich ihre Einkommen nach dem Studium an der Indigenen Interkulturellen Universität verbessert haben.

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