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Frau Sylvia Reinhardt
E-Mail: Sylvia.Reinhardt@giz.de

Stärkung indigener Organisationen in Lateinamerika

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Stärkung indigener Organisationen in Lateinamerika
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Lateinamerika: Andenraum, Guatemala, Amazonasbecken
Gesamtlaufzeit: 2006 bis 2013

Ausgangssituation

Indigene Völker stellen knapp 10 Prozent der Gesamtbevölkerung in Lateinamerika, wobei ihre Bevölkerungsanteile in den einzelnen Ländern von wenigen Prozent bis zur Bevölkerungsmehrheit schwanken. Sie sind die am stärksten benachteiligte Bevölkerungsgruppe und in besonderem Maße von extremer Armut betroffen. Ihre politisch-gesellschaftliche Ausgrenzung durch ungleichen Zugang zu Bildung, Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten und Gesundheitsdienstleistungen, die unzureichende Anerkennung indigener Territorien sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen entziehen ihnen nach wie vor ihre materiellen und kulturellen Existenzgrundlagen.

In den vergangenen Jahrzehnten nahm weltweit die politische Aufmerksamkeit für die Benachteiligung indigener Völker zu. Die Gründe dafür liegen vor allem in der deutlich gewachsenen politischen Artikulationsfähigkeit indigener Völker und den damit einhergehenden Prozessen der Anerkennung indigener Rechte in den Vereinten Nationen (VN-Dekaden, VN-Erklärung indigener Rechte 2007) und anderen internationalen Organisationen (etwa OEA). In vielen Ländern Lateinamerikas führte diese steigende Aufmerksamkeit zu einer formalen Anerkennung der Rechte indigener Völker. Die Umsetzung ihrer Rechtsansprüche bleibt bisher dennoch unzulänglich.

Trotz steigender Artikulationsfähigkeit bestätigen Erfahrungen aus Projekten der Entwicklungszusammenarbeit, vor welchen Herausforderungen indigene Organisationen weiterhin stehen, um zu relevanten Themen konzeptionell fundierte und von ihrer Basis legitimierte Beiträge zu leisten. Sie sind bisher nur unzureichend in der Lage, die Interessen, Rechte und Belange ihrer Völker national und international zu vertreten.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit baut daher ihre langjährige Zusammenarbeit mit indigenen Völkern weiter aus und verstärkt vor allem auch die direkte Zusammenarbeit mit indigenen Organisationen. 

Ziel

Lokale und nationale indigene Organisationen sind gestärkt, ihre regionale Zusammenarbeit wird gefördert. Die Organisationen sind in der Lage, ihre Rechte und Positionen in ihren jeweiligen Staaten sowie in der internationalen Zusammenarbeit wirksam zu vertreten.

Vorgehensweise

Das Programm arbeitet in zwei Bereichen: 

  • Indigene Organisationen werden in ihrer Fach- und Themenkompetenz gestärkt. Die  Schwerpunktthemen der Förderung sind „Gute Regierungsführung“, „Management natürlicher Ressourcen“ sowie „Krisenprävention und Konfliktbearbeitung“. Diese Themen leiten sich aus dem BMZ-Konzept zur Zusammenarbeit mit indigenen Völkern in Lateinamerika (2006)“ und den Schwerpunkten der deutschen EZ mit Lateinamerika ab. 

    Das Thema „Gute Regierungsführung“ bezieht sich hauptsächlich auf die Beteiligungsmöglichkeiten von Indigenen an der Gestaltung von Politik, Rechtssystemen und Gesellschaft, beispielsweise auf die Verankerung indigener Belange in politischen Instanzen oder die nationale Ausgestaltung internationaler Regelwerke wie der ILO-Konvention 169 und die VN-Erklärung zu den Rechten indigener Völker. Kooperationspartner zu diesem Thema sind indigene Organisationen im Andenraum und in Guatemala.

    Im Bereich „Management natürlicher Ressourcen“ zielt das Vorhaben auf die Unterstützung indigener Organisationen und Gemeinschaften bei der Nutzung und dem Erhalt von natürlichen Ressourcen ab, insbesondere in Bezug auf Biodiversität und genetische Ressourcen, indigenes Wissen und die damit einhergehenden geistigen Eigentumsrechte, die Problematik der Landrechte und Landnutzung sowie Schutzgebiete. Auch die Berücksichtigung indigener Rechte in den aktuellen Klimaprozessen (Vermeidung, Anpassung, Finanzierungsmechanismen) wird unterstützt. Zu diesen Themen wird überwiegend mit indigenen Organisationen des Amazonasbeckens zusammengearbeitet.

  • Das Programm trägt dazu bei, die Zusammenarbeit mit indigenen Völkern in der gesamten deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Lateinamerika stärker zu verankern („Mainstreaming“). Die in Deutschland angesiedelte Koordinationsstelle für indigene Völker in Lateinamerika und der Karibik (KIVLAK) der GIZ berät das BMZ und die Durchführungsorganisationen bei der Verankerung der Thematik in ihren Institutionen. Darüber hinaus ist KIVLAK eine wichtige Kontaktstelle für die Koordination des Themas mit anderen internationalen staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Die indigenen Organisationen sind besser in der Lage, ihre politischen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Rechte zu verwirklichen.

Die Teilnahme an den thematischen Netzwerken fördert das fachliche Wissen und die Dialogfähigkeit, so dass die indigenen Organisationen ihre Anliegen wirksamer in  politische und gesellschaftliche Verhandlungsprozesse einbringen können. Sowohl auf nationaler Ebene als auch in internationalen Foren nutzen sie die für sie zugänglichen Verhandlungsräume und können dort fachlich fundiert ihre Interessen vertreten.

Es findet vermehrt Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen indigenen Organisationen statt. Zudem werden Positionen zu relevanten Themen wie zum Beispiel zur Rolle der Indigenen beim Erhalt von Wäldern oder zu den Auswirkungen des Klimawandels auf indigene Völker mit indigenen Experten abgestimmt.

Durch die Arbeit zur nachhaltigen Verankerung des Themas „indigene Völker“ in der staatlichen deutschen Entwicklungszusammenarbeit wird auf eine verbesserte Berücksichtigung indigener Rechte, Interessen und Bedürfnisse bei der Planung und Durchführung von  Projekten hingewirkt. In der Fachöffentlichkeit wird die Relevanz des Themas verstärkt wahrgenommen.

Vorgängerprojekt


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