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Herr Joachim Hagemann
E-Mail: joachim.hagemann@giz.de

Reform der beruflichen Bildung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Reform der beruflichen Bildung in Serbien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Republik Serbien
Politischer Träger: Bildungsministerium der Republik Serbien
Gesamtlaufzeit: 2001 bis 2012

Ausgangssituation

Serbien befindet sich seit 2000 in einer schwierigen wirtschaftlichen und politischen Transformation. Hohe Arbeitslosigkeit, politische Instabilität und relative politische Selbstisolierung sind die Begleiterscheinungen. Die Umgestaltung wird zudem von Institutionen mit geringen Kompetenzen und Ressourcen sowie unklaren Verfahren durchgeführt.

Jugendliche sind von den Härten der Transformation besonders stark betroffen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt weit über dem europäischen Durchschnitt. Achtzig Prozent der Jugendlichen waren noch nie im Ausland.

Das Berufsbildungssystem Serbiens, ein schulisches Berufsbildungssystem mit beruflichen Sekundarschulen, muss reformiert werden. Es ist ausgerichtet auf Qualifikationsbedarfe einer Planwirtschaft. Die Bedarfe der sich wandelnden serbischen Wirtschaft erfüllt es nicht. Die Wirtschaft selbst erwartet wenig vom System und zeigt nur geringes Interesse an Ausbildung.

Ziel

Jugendliche mit einem erfolgreichen Abschluss an einer beruflichen Sekundarschule haben eine verbesserte Beschäftigungsfähigkeit.

Vorgehensweise

Im Zentrum des Projekts steht der Umbau der kaufmännischen Berufsausbildung. Beteiligt sind 46 Schulen, das ist mehr als die Hälfte aller kaufmännischen Berufsschulen Serbiens, in 39 Städten mit rund 9.600 Schülerinnen und Schülern sowie mehr als 1.200 Lehrpersonen.

Leitidee ist der Aufbau eines funktionsfähigen Teilsystems beruflicher Bildung. Dazu gehören Standardmaßnahmen beruflicher Bildung aber auch Motivation und Organisation engagierter Lehrender und Schulleitungen. Sie nehmen Aufgaben wahr, für deren Erfüllung den Institutionen sowohl Einfühlungsvermögen als auch Personal fehlen.

Neue kaufmännische Ausbildungsberufe
Im Projekt wurden fünf neue Ausbildungsberufe entwickelt. Ausgangspunkt der Berufsentwicklung sind vom Statistischen Amt Serbiens und vom Projekt durchgeführte Beschäftigungsanalysen. Experten aus Betrieben haben sich an der Entwicklung der Berufe beteiligt:

  • Bürokaufmann (2003 an 23 Schulen)
  • Assistent der Buchhaltung (2004 an 23 Schulen)
  • Bankkaufmann (2005 an 7 Schulen)
  • Versicherungskaufmann (2007 an 9 Schulen)
  • Groß- und Außenhandelskaufmann (2007 an 19 Schulen)

Die Ausbildungsprofile sind doppeltqualifizierend angelegt, sie bereiten Jugendliche auf die Arbeitswelt und ein Hochschulstudium vor.

Lehrerweiterbildung
Neue Ausbildungsprofile allein garantieren noch keine arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen. Parallel hat das Projekt umfassende Weiterbildungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer entwickelt. Die Weiterbildungen haben zwei Schwerpunkte:

  • Methodisch. Die Lehrer lernen, wie sie ihre Schüler zum selbst gesteuerten Lernen anleiten und deren Lernprozesse moderieren können. Aktives Lernen steigert die Motivation der Schüler, sie lernen das Lernen. Das stärkt ihre Schlüsselkompetenzen. Mit Projektunterstützung sind bis Ende 2009 25 Weiterbildungsprogramme entwickelt und akkreditiert worden.
  • Inhaltlich. Die Lehrer werden für jedes neue Ausbildungsprofil in einem mehrstufigen Weiterbildungskonzept von Experten aus Betrieben weitergebildet. Auf die theoretische Einführung folgt die praktische Ausbildung und darauf ein Coaching, das sich über die gesamte Pilotphase von vier Jahren eines neuen Profils erstreckt.

Praktische Ausbildung in virtuellen Unternehmen
Kernstück der praktischen Ausbildung ist die Simulation von Geschäftsprozessen in virtuellen Unternehmen an den Schulen. Bis Ende 2009 wurden 162 solcher virtueller Unternehmen gegründet. Sogar Bankgeschäftsprozesse in virtuellen Banken konnten in sieben Pilotschulen simuliert werden. Genutzt wurde eine auf dem Westbalkan weitverbreitete Banksoftware, die die Firma Pexim gestiftet hat.

In der praktischen Ausbildung werden auch Firmenmessen simuliert. Alle zwei Jahre stellen Schüler ihre virtuellen Unternehmen und Produkte auf einer nationalen Übungsfirmenmesse vor, ausgewählte Übungsfirmen nehmen auch an internationalen Messen im Ausland teil. Die letzte Übungsfirmenmesse wurde von 2.900 Schülern und Erwachsenen besucht, obwohl sie weit außerhalb Belgrads stattfand.

Neue Berufsmatura
Neue Ausbildungsberufe und -methoden verlangen neue Prüfungsformen. Das Projekt hat mit Unterstützung des Erziehungsministeriums eine berufliche Abschlussprüfung entwickelt, in der die Schülerinnen und Schüler anhand praxisorientierter Aufgaben und Fallbeispiele ihre Planungs-, Entscheidungs- und Handlungskompetenzen unter Beweis stellen können. In der Berufsmaturasektion des Projekts sind zurzeit etwa 170 Lehrer aktiv. Sie haben 2009 rund 1.000 theoretische und etwa 250 praktische Prüfungsaufgaben entwickelt.

Selbstorganisation von Lehrpersonal und Schulleitungen
Rund 250 Lehrer und 40 Schulleiter arbeiten auf der Basis des Subsidiaritätsprinzips aktiv im Projekt mit. Neben ihren Lehrverpflichtungen übernehmen sie freiwillig zusätzliche Aufgaben im Projekt. Sie entwickeln anspruchsvolle Prüfungsaufgaben und Seminarkonzepte, trainieren Kolleginnen und Kollegen, führen Monitoringaufgaben durch, revidieren fortlaufend Curricula, bereiten nationale Übungsfirmenmessen vor und leisten vieles mehr. Schulleiter arbeiten Vorschläge für Gesetzesänderungen und Rechtsverordnungen aus, trainieren Kolleginnen und Kollegen und befassen sich mit Schulentwicklungsaufgaben.

Die Lehrer sind im Verband Dositej organisiert, Schulleiter haben einen Schulleiterverband gegründet. Beide Verbände arbeiten mit Partnerverbänden in Deutschland zusammen.

Lehrer- und Schulleiterverband unterstützen das Bildungsministerium bei der Reform der beruflichen Bildung. Sie beraten das Ministerium, entwickeln Ausstattungsstandards und Pilotschulen.

Die zukünftige Finanzierung dieser Aktivitäten ist gesichert. Schulleiter- und Lehrerverband werden sich aus Dienstleistungen, vor allem Lehrer- und Schulleitertrainings, finanzieren, die von Verbandstrainern erbracht werden. Bis zum Abschluss des Projekts 2012 werden die Verbände so nachhaltig organisiert sein, dass sie als zivilgesellschaftliche Akteure beruflicher Bildung die gemeinsam im Projekt geschaffenen Leistungsstrukturen selbstständig fortführen können.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

In 46 Berufsschulen in 39 Städten aller serbischen Regionen wurden fünf neue kaufmännische Ausbildungsprofile eingeführt. Mehr als 9.600 Schülerinnen und Schüler werden nach diesen Profilen ausgebildet. Die Pilotschulen haben bisher mehr als 160 virtuelle Unternehmen gegründet.

Das Projekt hat 22 Lehrer zu Trainern ausgebildet. Sie haben mehr als 1.600 Lehrer weitergebildet und sieben Seminarkonzepte mit einer Gesamtausbildungszeit von 580 Stunden entwickelt. Drei weitere Konzepte werden gegenwärtig erstellt.

Rund 2.100 Schüler haben die Ausbildung zum Business Administrator, etwa 1.200 Schüler die Ausbildung zum Assistenten der Buchhaltung erfolgreich abgeschlossen.

Etwa 250 Lehrerinnen und Lehrer arbeiten neben ihrer Unterrichtsverpflichtung freiwillig in rund 21 verschiedenen Arbeitsgruppen des Projekts mit. 35 Schulleiter beteiligen sich an sechs Schulleiterarbeitsgruppen.

Bisher fanden zwei Lernbüromessen statt. Mehr als 6.000  Schülerinnen und Schüler aus dem ganzen Land besuchten die Messen.

Der neu gegründete Lehrerverband Dositej wurde mit dem Verband der Lehrer an Wirtschaftsschulen (VLW e.V.) in Deutschland vernetzt.

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