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Herr Christian Koenigsperger
E-Mail: christian.koenigsperger@giz.de

Finanzsystementwicklung

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Finanzsystementwicklung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ); schwedische Behörde für internationale Entwicklungszusammenarbeit (SIDA) bis Juni 2009
Land: Uganda
Politischer Träger: Bank of Uganda
Gesamtlaufzeit: 1998 bis 2014

Ausgangssituation

Der Finanzsektor Ugandas hat sich in den letzten Jahren durch beträchtliches Wachstum und große Fortschritte im regulatorischen Bereich ausgezeichnet. Im März 2010 gab es in Uganda 28 regulierte Finanzinstitute, die das Land über 488 zugelassene Filialen mit Finanzdienstleistungen versorgten, gegenüber nur circa 270 Filialen Ende 2006. Trotz dieser Erfolge haben über 70 Prozent der Ugander (im Vergleich zu 82 Prozent 2007), insbesondere arme Menschen und die Bevölkerung der ländlichen Gebiete, keinen Zugang zu formalen Finanzdienstleistungen. Der unzureichende Zugang zu elementaren Finanzdienstleistungen, wie Sparen, Kredit oder Zahlungsverkehr, ist ein Hauptproblem für die ökonomische Entwicklung und die Armutsminderung. Betroffen sind insbesondere Frauen und Kleinbauern im ländlichen Raum. Informelle Mikrofinanzinstitutionen, vor allem die von der ugandischen Regierung stark geförderten Spar- und Kreditgenossenschaften (SACCOs), könnten als Alternative für diese Bevölkerungsgruppen eine wichtige Rolle spielen. Ihr Potenzial ist jedoch durch unzureichende Qualifizierung sowie fehlende Sektorregulierung und -aufsicht gehemmt.

Ziel

Vor allem die ärmere Bevölkerung Ugandas hat Zugang zu nachhaltigen Finanzdienstleistungen. Die finanzielle Teilhabe trägt zur Verwirklichung des nationalen Entwicklungsplans (National Development Plan – NDP) bei.

Vorgehensweise

Das Programm unterstützt die Entwicklung des ugandischen Finanzsystems. Es analysiert Engpässe im Finanzsektor, um daraus Ideen für armutsorientierte Maßnahmen abzuleiten. Durch die fachliche Beratung der ugandischen Zentralbank (Bank of Uganda, BoU) unterstützt das Programm die Verbesserung der Rahmenbdingungen für eine Ausweitung des Zugangs zu sicheren und nachhaltigen Finanzdienstleistungen. Zudem fördert das Programm den Informationsaustausch mit politischen Entscheidungsträgern im Bereich Agrarfinanzierung und untersützt Finanzdienstleister bei der Entwicklung von Finanzprodukten für den Agrarsektor. Schließlich berät und qualifiziert das Programm auf Mikroebene landesweit Mikrofinanzinstitutionen. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf dem nördlichen Uganda.

Neben der engen Kooperation mit der KfW Entwicklungsbank arbeitet das Programm mit seinem wichtigsten Partner, der ugandischen Zentralbank (BoU), zusammen, sowie mit dem Ministerium für Finanzen, Planung und wirtschaftliche Entwicklung (MoFPED), dem „Plan zur Modernisierung der Landwirtschaft“ (PMA), dem Mikrofinanzverband Ugandas (Association of Microfinance Institutions of Uganda – AMFIU), der Uganda Martyrs University, sowie privaten Firmen, Geschäftsbanken, Mikrofinanzsinstitutionen (MFI) und Spar- und Kreditgenossenschaften (SACCOs). Auf internationaler Ebene besteht ein reger Austausch mit der Finanzsektorplattform Making Finance Work for Africa (MFW4A) sowie mit der Alliance for Financial Inclusion (AFI).

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Verbesserung der Rahmenbedingung des Finanzsektors
Das Programm hat die Bank of Uganda und die Regierung bei der Entwicklung und Implementierung des sogenannten MDI-Gesetzes (Microfinance Deposit-taking Institutions Act, 2003) unterstützt. Mikrofinanzinstitutionen, die im Einklang mit diesem Gesetz wirtschaften und sich von der Bank of Uganda überwachen lassen, dürfen jetzt Einlagen privater Sparer aufnehmen. Bis Ende 2009 haben mehr als 389.000 Kundinnen und Kunden, meist aus ärmeren Bevölkerungsschichten, dieses Angebot genutzt und Spartkonten eröffnet, was einer Verdoppelung im Vergleich zum Jahr 2005 entspricht. Gemeinsam mit der KfW Entwicklungsbank unterstützt das Programm die Bank of Uganda außerdem bei der Einrichtung eines Einlagensicherungsfonds für MDIs, der die Spareinlagen von Kleinsparern schützt.

Das Programm und die KfW Entwicklungsbank fördern den Aufbau einer Kreditauskunftei (Credit Reference Bureau – CRB), eine der ersten in Ostafrika (2008). Ähnlich wie die deutsche SCHUFA ist das CRB eine Einrichtung, die die angeschlossenen Finanzinstitutionen vor Kreditausfällen schützen soll und dadurch mittel- bis langfristige Verbesserungen in Effizienz, Zinssätzen und Zugang zu Finanzdienstleistungen mit sich bringt. Inzwischen sind alle Filialen der von der BoU regulierten Finanzinstitutionen mit dem Finanzkartensystem ausgestattet und an die Kreditauskunftei angeschlossen Von Dezember 2008 bis September 2010 konnten damit mehr als 400,000 Kundendatensätze erfasst werden. Vor allem ärmeren Kunden ohne Sicherheiten erleichtert das CRB den Zugang zu Krediten, da sie eine positive Kredithistorie aufbauen können.

Die erwähnten Maßnahmen wurden mit anderen Maßnahmen der Technischen Zusammenarbeit gekoppelt, die die Aufsicht über Mikrofinanzinstitutionen und herkömmliche Banken verstärkt und die Stabilität und Sicherheit des Finanzsektors verbessert haben. Durch den verbesserten Rechtsrahmen und moderne Techniken wie elektronischen Zahlungsverkehr und Echtzeit-Brutto-Abwicklungssystem sind Zahlungsvorgänge schneller und sicherer geworden. Dies hatte als direkte Folge einen Anstieg der bargeldlosen Zahlungen (Anstieg des elektronischen Zahlungsverkehrs von 9.480 Überweisungen pro Monat im Juli 2005 auf 176.169 im Juli 2010).

Entwicklung von Kompetenzen und Leistungsfähigkeit der Mikrofinanzinstitutionen
Das Programm unterstützt den ugandischen Mikrofinanzverband (AMFIU), zum Beispiel bei der Einführung eines standardisierten nationalen Instruments für das Leistungsmonitoring von Mikrofinanzinstitutionen (Performance Management Tool – PMT). 70 SACCOs, die an das System angeschlossen werden sollen, wurden bereits identifiziert, rund 20 PMT-Berichte lagen Mitte 2010 vor und ein Prototyp des Berichtssystems wurde auf der Verbandsseite online gestellt. SACCOs können dadurch ihre Leistungen besser verfolgen, vergleichen und analysieren und entsprechend darauf reagieren.

Spar- und Kreditgenossenschaften (SACCOs) haben Modelllösungen übernommen und sich einer Due-Diligence-Prüfung (Sorgfältigkeitsprüfung) unterzogen. Zwölf Modell-SACCOs, acht davon aus dem Norden Ugandas, haben von Fördermaßnahmen profitiert, die fachliche Effizienz und institutionelle Transparenz stärken. Im Mittelpunkt steht die Einführung eines Managementinformationssystems (MIS) unter Verwendung der von der Welternährungsorganisation (FAO) und der GTZ (seit Januar 2011 GIZ) gemeinsam entwickelten Bankensoftware MBWin. Die eingeführte Hardware ist auf die Bedingungen der Nutzer vor Ort abgestimmt. So wird zum Beispiel der Strom zum Betrieb des Systems durch Solarzellen erzeugt. Durch die Zusammenarbeit mit den SACCOs werden voraussichtlich insgesamt 40.000 Mitglieder von den verbesserten Leistungen ihrer Genossenschaften profitieren. Einige SACCOs haben bereits das Verfahren zur Zinsberechnung angepasst und gleichzeitig ihre Zinssätze gesenkt. Für die Mitglieder verringern sich dadurch die Darlehenskosten beträchtlich.

An der Uganda Martyrs University wurde ein Studiengang Mikrofinanzwesen eingerichtet. Durchschnittlich 80 Studierende pro Jahr machen ihren Abschluss und übernehmen Aufgaben im Mikrofinanzsektor.

Ländliches und landwirtschaftliches Finanzwesen
Verfahren zur Datenerhebung über Weiterentwicklungen im Agrarsektor durch regulierte Finanzinstitutionen und Kleinbanken mit Sparkonten wurden verbessert. Dies vereinfacht die Überwachung landwirtschaftlicher Darlehen im Verhältnis zur Gesamtkreditvergabe von Banken im Finanzsektor.

Zusammen mit dem „Plan zur Modernisierung der Landwirtschaft“ und der Bank of Uganda erarbeitete das Programm 2008 das erste Agricultural Finance Year Book Ugandas. Darin werden Erkenntnisse, Erfolge und Herausforderungen der Agrarfinanzierung in Uganda disktutiert und in den Sektordialog eingespeist. Inzwischen sind zwei weitere Auflagen erschienen und trafen auf immer größer werdendes Interesse der Politik und Privatwirtschaft.

Schließlich hat das Programm Finanzinstitutionen dabei unterstützt, ihr operatives Geschäft auf ländliche Regionen auszudehnen und Finanzprodukte zu entwickeln, die den Erfordernissen spezifischer landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten gerecht werden. So wurde zum Beispiel gemeinsam mit dem lokalen Partner Centenary Bank eine erfolgreiche Zugtierkreditlinie entwickelt, die vor allem verarmten Bauern im Norden Ugandas zu Gute kommt.


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