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Herr Joachim Fritz
E-Mail: joachim.fritz@giz.de

Peace Worker gegen Gewalt in Kommunen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Frieden und Entwicklung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Südafrika
Politischer Träger: Department of Cooperative Governance and Traditional Affairs (GOGTA)
Partner: City of Tshwane (Pretoria), Tshwane Metropolitan Police Services (TMPS)
Gesamtlaufzeit: 2000 bis 2010

Ausgangssituation

Peace workers at work in Atteridgeville. Photo GTZ

Südafrika hat eine Geschichte der Gewalt, die das direkte und indirekte Ergebnis hoher Arbeitslosigkeit, geringen Bildungsstands und sozialer Übervölkerung ist. Verbrechen behindern die wirtschaftliche Entwicklung massiv und wirken sich negativ auf die Lebensbedingungen der Menschen aus, insbesondere derer, die in früher benachteiligten Gegenden leben. In der Bevölkerung gibt es einen breiten Konsens, dass Gewalt und Verbrechen die Haupthindernisse für die friedliche und wirtschaftliche Entwicklung des Landes sind.

Ziel

Das Projekt zielt darauf ab, arbeitslose junge Menschen als Community Peace Worker (Friedensarbeiter) auszubilden, die bestehende oder potenzielle Konflikte in ihren Gemeinden erkennen und zwischen den Konfliktparteien vermitteln und verhandeln können.

Vorgehensweise

Peaceworker mit Jugendlichen im Township Atteridgeville

Das Projekt „Frieden und Entwicklung“ (Peace and Development Project – PDP) startete 1997 im Western Cape 1997 mit Unterstützung des Auswärtigen Amts. 2000 wurde es Teil des städtischen Konfliktmanagementprogramms, ein Kooperationsprojekt zwischen dem südafrikanischen Ministerium für Sicherheit und der GTZ, und wurde auf Soshanguve, eine Township im Nordwesten von Pretoria (Tshwane) ausgeweitet. Das Projekt unterstützt die 2002 gegründeten Tshwane Metropolitan Police Services in ihrer Präventionsstrategie für Sozialstraftaten. Das PDP-Konzept der Kombination von Jugendarbeit und Verbrechensprävention hat sich doppelt bewährt: Jugendliche haben Arbeit gefunden und die Zahl der Sozialstraftaten in den beteiligten Gemeinden ist gesunken, insbesondere in den Schulen.

Das Projekt steht im Einklang mit den Inhalten des Weißbuchs zur Sicherheit, der Nationalen Strategie zur Verbrechensprävention und der Nationalen Jugendpolitik auf lokaler und Provinzregierungsebene. Die darin beschriebenen Politikansätze und Strategien gehen davon aus, dass Gewalt und Verbrechen nur reduziert werden können, wenn Akteure auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen zusammenarbeiten. Eine entscheidende Rolle kommt dabei den Gemeinden zu.

Das Projekt „Frieden und Entwicklung“ wählt Community Peace Worker aus, die sich für ein Jahr in ihren Gemeinden engagieren. Das Programm bietet den Gemeinden verschiedene Konfliktlösungsdienste an. Die Friedensarbeiter patrouillieren in Gegenden und in Schulen, die besonders hohe Verbrechensraten aufweisen, sie treten als Mediatoren auf und halten den Kontakt zur Polizei und zu Sozial- oder Rettungsdiensten. Die Friedensarbeiter arbeiten in Gruppen in Vormittags- und Nachmittagsschichten. Ihre Rolle variiert: Sie nehmen an Veranstaltungen in der Gemeinde teil, leisten Erste Hilfe und unterstützen Opfer, sie stellen sicher, dass Rentner am Rentenzahltag unbehelligt nach Hause gelangen, arbeiten als Schülerlotsen und beraten Schulen zu Risiken des Drogenmissbrauchs, zu HIV/AIDS und Kindesmissbrauch.

Während ihres einjährigen Dienstes durchlaufen die Community Peace Worker praktische Schulungen und werden zusätzlich in Menschenführung, Wachgängen, HIV/AIDS-Beratung, Interventionskompetenz bei Vergewaltigungen, Konfliktvermittlung und Konfliktlösung ausgebildet. Die zentralen Trainingsmodule werden von akkreditierten Trainingsanbietern durchgeführt und entsprechen, wo immer möglich, dem nationalen Qualifizierungsrahmen Friedensarbeiter, die sich auf die Komponente „Sicherere Schulen“ des Projekts spezialisieren, erhalten die Möglichkeit, ihre Kompetenzen in Konfliktlösung und Schulsicherheit zu vertiefen. Das während des einjährigen Dienstes erworbene Wissen und die Erfahrung verbessern die künftigen Beschäftigungsmöglichkeiten der Jugendlichen.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Die hohen Verbrechens- und Gewaltraten in Südafrika erfordern einen ganzheitlichen Ansatz aller Akteure in der Gesellschaft: Präventive und reaktive Maßnahmen werden kombiniert, um eine positive Wirkung zu erzielen. Erreichen lässt sich dies durch bessere Bildung, durch ein geschärftes Bewusstsein für Verbrechensprävention und das Anzeigen von Verbrechen. Der ganzheitliche Ansatz liegt darüber hinaus Programmen und Projekten zugrunde, die sich mit Armut und Arbeitsplatzbeschaffung befassen. Die Einheit für Verbrechensprävention der Tshwane Metropolitan Police Services hat eine Strategie eingeführt, die es der lokalen Regierung, der südafrikanischen Polizei, den Gemeinden und anderen Akteuren ermöglicht, einen Beitrag zur Verbrechensprävention zu leisten.

2006 haben die Tshwane Metropolitan Police Services die finanzielle und verwaltungstechnische Kontrolle über das Projekt „Frieden und Entwicklung“ übernommen. Nachdem sich PDP in Soshanguve als erfolgreich erwiesen hatte und gut angenommen wurde, wurde das Projekt auf fünf weitere Regionen von Pretoria ausgeweitet und als spezielles kommunales Programm zur Einbindung von Jugendlichen (Youth Outreach) gewürdigt.

Die Komponente „Sicherere Schulen“ wurde auf andere Schulen ausgeweitet, um damit im gesamten Projektgebiet Dienste zur Gewalt- und Verbrechensprävention anzubieten.

Die Tshwane Metropolitan Police Services haben erkannt, dass die Präsenz der Community Peace Worker an Brennpunkten zu einem deutlichen Rückgang der Kriminalitätsrate geführt hat. In den letzten zehn Jahren haben rund 900 junge Menschen vom Projekt profitiert. Gegenwärtig nehmen 430 Friedensarbeiter am Programm „Frieden und Entwicklung“ teil und die GTZ hat ihre Unterstützung bis nach der Weltmeisterschaft 2010 verlängert. 2009 ist Mercedes-Benz Südafrika eine Partnerschaft mit dem Programm eingegangen, um die Komponente „Sicherere Schulen“  auszuweiten und damit als Unternehmen einen Beitrag zur Verbesserung der sozialen Situation der Südafrikaner (Corporate Social Investment) zu leisten.

Das Projekt „Frieden und Entwicklung“ hat durch den Erfolg der Friedensarbeiter in den Gemeinden nationale Aufmerksamkeit erlangt. Die GTZ wurde gebeten, Kommunen in anderen Gegenden zu unterstützen, Baseline-Studien durchzuführen und den Bedarf für die Umsetzung des Programm-Konzepts zu bewerten. Das Projekt „Frieden und Entwicklung“ hat sich darüber hinaus aber auch auf jeden einzelnen Community Peace Worker ausgewirkt, weil es den Jugendlichen Selbstvertrauen und größere Selbstachtung vermittelt hat. Die Friedensarbeiter sind zu Vorbildern in ihren Gemeinden geworden. Ihre positiven Zukunftsaussichten haben viele ihrer Freunde veranlasst, sich dem Projekt ebenfalls anzuschließen.

Mehr als 87 Prozent der Friedensarbeiter, von denen 60 Prozent Frauen sind, haben nach ihrem einjährigen Dienst eine Anstellung gefunden oder sich selbstständig gemacht. Sie können ihre Familien und Haushalte nun finanziell unterstützen und ihre Lebensqualität insgesamt verbessern. Die meisten von ihnen wurden von den Tshwane Metropolitan Police Services oder der südafrikanischen Polizei eingestellt.

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