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Frau Eva Neuhaus
E-Mail: eva.neuhaus@giz.de

Stärkung von Menschenrechten und sexueller Gesundheit

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Menschenrechte / Sexuelle Gesundheit, Burkina Faso
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Burkina Faso
Politischer Träger: Ministère de l'Economie et des Finances
Gesamtlaufzeit: 2004 bis 2015

Ausgangssituation

Burkina Faso. Spielend lernen: Das «Spiel ohne Tabus» klärt Jugendliche über sexuelle Gesundheit auf. © GTZ

Schnelles Bevölkerungswachstum, Jugendarbeitslosigkeit, Arbeitsemigration von Kindern und Kinderhandel sowie nicht zuletzt die HIV/AIDS-Epidemie sind Grundprobleme der Entwicklung Burkina Fasos. Besonders benachteiligt sind Frauen und Jugendliche, die an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen unzureichend beteiligt sind und häufig Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind. Die in der Verfassung festgeschriebene Gleichberechtigung der Geschlechter sowie die Gesetzgebung zum Schutz von Frauen, Jugendlichen und Kindern sind in der gesellschaftlichen Realität noch weit von der Durchsetzung entfernt. Die ökonomischen Möglichkeiten von Frauen, insbesondere der Zugang zu Land, sind vor allem in ländlichen Regionen begrenzt.

Weibliche Genitalverstümmelung, Zwangsheirat und häusliche Gewalt sind weit verbreitet. Die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung geht nur langsam zurück, obwohl sie seit 15 Jahren verboten ist. 2003 waren mehr als drei Viertel der Frauen über 15 Jahren beschnitten. Mit 18 Jahren sind nahezu die Hälfte der jungen Frauen Mütter. Diese frühen Schwangerschaften sind selten gewollt. Sie sind das Ergebnis von Zwangs- und Kinderheirat, sexueller Gewalt oder schlicht von fehlender Information. Entsprechend hoch ist die Zahl der heimlichen, weil illegalen, Abtreibungen. Die HIV/AIDS-Pandemie hat in der in Traditionen wurzelnden Benachteiligung der Frauen und Mädchen einen günstigen Nährboden gefunden: Junge Frauen zwischen 20 und 24 Jahren waren 2003 dreimal häufiger mit HIV infiziert als ihre männlichen Altersgenossen.

Nur rund 16 Prozent der Frauen über 15 Jahren, etwa 7 Prozent auf dem Land, können lesen und schreiben (2006). Fünf Prozent der Kinder im Alter von 6 bis15 Jahren leben als Arbeitsemigranten getrennt von den Eltern. Allein in Côte d‘Ivoire gehen mehr als 60.000 burkinische Kinder unter 15 Jahren, mehrheitlich Jungen, einer einkommenschaffenden Tätigkeit nach. Die Zahl der Kinder, mehrheitlich Mädchen, die in urbanen Zentren „vermittelt wurden“, wird auf 80.000 geschätzt. Die Mädchen werden oft nicht nur ökonomisch, sondern auch sexuell ausgebeutet.

Ziel

Frauen, Männer und Jugendliche kennen ihre Rechte und Möglichkeiten und können sie selbstbewusst einfordern und wahrnehmen: für sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie HIV/AIDS-Prävention, zum Schutz vor Diskriminierung, menschenrechtsverletzenden Praktiken wie weiblicher Genitalverstümmelung sowie vor den schlimmsten Formen der Kinderarbeit und vor Kinderhandel.

Vorgehensweise

Burkina Faso. Die zukünftige Generation soll weibliche Beschneidung aktiv verhindern: Entsprechende Unterrichtsmodule wurden mithilfe des Programms entwickelt. © GTZ

Das Programm berät und unterstützt Ministerien und staatliche Dienste, Organisationen der Zivilgesellschaft, beispielsweise dörfliche Frauenvereinigungen, sowie die Betroffenen selbst. Zentrale Themen sind:

  • Sexuelle und reproduktive Gesundheit Jugendlicher, einschließlich HIV/AIDS-Prävention
  • Familienplanung und Bevölkerungspolitik
  • Förderung von Frauenrechten
  • Schutz von Mädchen und Frauen vor  Gewalt, besonders vor der menschenrechtsverletzenden   weiblichen Genitalverstümmelung 
  • Förderung von Kinderrechten und Bekämpfung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit und des Kinderhandels.

Viel Gewicht wird auf die Aufklärung der Bevölkerung mit zielgruppenspezifischen Kommunikationsformen gelegt: Theatergruppen oder Filmvorführungen mit anschließenden Diskussionen in den Dörfern und audiovisuelle Medien in den jeweiligen lokalen Sprachen. Vereinigungen, die sich für die Projektthemen engagieren, werden gefördert. Alle Aktivitäten werden kontinuierlich begleitet und ausgewertet, um ihre Wirkung zu überprüfen und sie gegebenenfalls anzupassen.

Vom Programm entwickelte und erprobte innovative Vorgehensweisen finden für größere Verbreitung Eingang in die staatlichen Aktionsprogramme. Gemeinsam mit den Partnerministerien wurden Unterrichtsmodule gegen Beschneidung für Grundschulen und weiterführende Schulen entwickelt und erprobt. Die Module werden von den beiden Bildungsministerien in die Lehrerausbildung aufgenommen. Die Integration in die nationalen Curricula wird vorbereitet.

Staatliche und kommunale Dienste nutzen die Leistungen des Programms und verbessern damit die Qualität ihrer Dienstleistungen. Der Handlungsspielraum für Nichtregierungsorganisationen (NRO) und dörfliche Vereine vergrößert sich. Die gestiegene Qualität des Angebots erhöht die Nachfrage. Die Arbeit des Programms mit Frauen, Männern und Jugendlichen trägt zur quantitativen und qualitativen Veränderung der Nachfrage bei. Die Menschen treten den staatlichen Diensten besser informiert und selbstbewusster gegenüber und fordern Qualität ein. Neue Dienstleister entstehen auf Gemeindeebene, die mit den vorhandenen in einen produktiven Wettbewerb treten können.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Durch die Unterstützung und Beratung des Programms werden besonders Frauen gestärkt:

  • Sie ermöglichen ihren Kindern nicht nur den Schulbesuch. Sie lehnen auch die Beschneidung ihrer Töchter ab und verhindern sie. Sie bewahren ihre Kinder vor den schlimmsten Formen der Kinderarbeit und vor Kinderhandel.
  • Sie wenden moderne Methoden der Familienplanung an und schützen sich und ihre Partner vor HIV/AIDS.
  • Sie kennen ihre gesetzlichen Rechte und fordern sie ein. Sie setzen ihren Anspruch auf die Nutzung von Ackerboden, ihr Erbrecht und ihr Recht auf Mitentscheidung in wichtigen Familienangelegenheiten durch. Sie berufen sich ebenso auf ihre Rechte, um Gewalt in der Ehe wirkungsvoll entgegenzutreten.

Durch diese Verhaltensänderungen werden die gesellschaftliche Stellung der Frauen und ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Auch die dörflichen Gemeinschaften, die Einrichtungen der Zivilgesellschaft sowie die staatlichen Strukturen und Dienste gewinnen durch die Stärkung der gesellschaftlichen Stellung von Frauen und Jugendlichen an sozialer Kompetenz und Veränderungsbereitschaft.

Weitere messbare Wirkungen des Programms für Menschenrechte und sexuelle Gesundheit:

  • In Gemeinden, in denen weibliche Beschneidung Bestandteil des Schulunterrichts geworden ist, ist inzwischen eine Mehrheit gegen diese Tradition und befürwortet die strafrechtliche Verfolgung der Täterinnen und Täter. Aufgeklärte Schülerinnen und Schüler verhindern Beschneidungen, indem sie die Behörden bei Verdacht informieren. Die Beschneidung von Mädchen ist insgesamt rückläufig.
  • Die Verwendung moderner Verhütungsmittel steigt stetig an. In der Region Ost ist die Nutzung in den letzten drei Jahren um zwei Drittel gestiegen: von 4,4 auf 7,3 Prozent, in den Schwerpunktdörfern des Programms sogar auf mehr als 24 Prozent. In der Region Süd-Westen stieg die Verwendung moderner Verhütungsmittel im gleichen Zeitraum von 11,8 auf 14,5 Prozent an, in den Schwerpunktdörfern sogar auf fast 23 Prozent.
  • Jugendliche nutzen die Beratungszentren für sexuelle und reproduktive Gesundheit vermehrt. Sie wurden im Rahmen des Programms attraktiver gestaltet.
  • Die Aufklärung über Kinderarbeit und Kinderhandel beginnt Früchte zu tragen. In den Schwerpunktdörfern erkennen die Menschen zunehmend den Unterschied zwischen sozialisierender und ausbeuterischer Arbeit. Akteure in den Goldminen und im Baumwollanbau, in denen traditionell Kinderarbeit geleistet wird, haben mithilfe des Programms Verhaltenskodizes entwickelt, um schwere und schädliche Kinderarbeit zu verhindern. Arbeiter im öffentlichen Transportwesen haben sich zusammengeschlossen, um wachsam gegenüber Kinderhändlern zu sein.
  • Zwischen den Schuljahren 2002/03 und 2008/09 stieg die Einschulung von Mädchen landesweit um 64 Prozent, im Südwesten um 79 und in der Region Ost sogar um 123 Prozent. Im Einsatzgebiet des Programms stieg der Schulbesuch von Mädchen stärker an als in vergleichbaren Dörfern, die nicht zum Einsatzgebiet gehören. Die Mädchen holen auf: 2015 werden voraussichtlich genauso viele Mädchen wie Jungen die Grundschulen besuchen.

Burkina Faso. Aufklärung durch Theater. Aufführung zum Thema Kinderarbeit  mit anschließender Diskussion. © GTZ

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