Dezentralisierung ist als Teil des demokratischen Reformprozesses Burkina Fasos in der Verfassung von 1991 verankert. Die burkinische Strategie zur Armutsbekämpfung (CSLP) hebt die Bedeutung leistungsfähiger Selbstverwaltungsstrukturen für Armutsbekämpfung und Entwicklung hervor. Mit der Verabschiedung der Rahmengesetzgebung "Code Général des Collectivités Territoriales" (CGCT), die 2005 rechtskräftig wurde, entstanden die wichtigsten Grundlagen für die kommunale Selbstverwaltung und den Aufbau regionaler Parlamente. Nach Verabschiedung grundlegender Anwendungsbestimmungen wurden bereits im Jahr 2006 neben den 49 städtischen weitere 302 ländliche Gemeinden eingerichtet. 2006 haben die dreizehn Regionen als Gebietskörperschaften ihre gewählten Vertretungsorgane erhalten. Im Jahr 2006 wurden landesweit demokratische Wahlen auf kommunaler Ebene durchgeführt und die ersten Kompetenztransfers auf die neuen Gebietskörperschaften eingeleitet.
Die deutsch-burkinische Zusammenarbeit leistet beratende Unterstützung zur Verbesserung der Rahmenbedingungen. In Übereinstimmung mit den entwicklungspolitischen Zielen der Bundesregierung und dem Aktionsprogramm 2015 zur Bekämpfung der Armut soll erreicht werden, dass demokratisch legitimierte Regierungs- und Selbstverwaltungsstrukturen und ihre Kapazitäten aufgebaut werden und die Bevölkerung am politischen Prozess beteiligt wird. Förderung der Partizipation von Frauen und der Jugend und AIDS–Bekämpfung spielen als Querschnittsthemen auch eine Rolle.
Im Mittelpunkt der Schwerpunktstrategie stehen die Steuerung der Reform, Stärkung der lokalen Selbstverwaltung, lokale Investitionsförderung sowie die politische und soziale Verankerung der Dezentralisierung. Die Mitwirkung der Bevölkerung an der kommunalen Selbstverwaltung ist noch wenig verankert. Potenzial besteht im Engagement der Bevölkerung für die Verbesserung ihrer Lebenssituation und in ihrer Fähigkeit sich selbst zu organisieren. Die Bereitstellung von sozialer und wirtschaftlicher Infrastruktur und Förderung des Privatsektors trägt zur Steigerung kommunaler Einnahmen und Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung bei. Ein auf dreizehn Jahre konzipiertes Programm der Technischen Zusammenarbeit zur beratenden Begleitung der Reform startete im Jahr 2005. Dazu gehören Umsetzungsmaßnahmen auf regionaler und lokaler Ebene sowie die Unterstützung der Geberkoordination. Die enge Abstimmung und Kooperation mit den Projekten der Finanziellen Zusammenarbeit (KfW Entwicklungsbank) konzentriert sich vor allem auf die Stärkung der Verwaltungs- und Managementkapazitäten kommunaler Akteure im Zusammenhang mit Investitionsfördermaßnahmen. Schwerpunkt des deutschen Engagements ist die Unterstützung der burkinischen Regierung bei der Umsetzung und Steuerung der nationalen Sektorstrategie.
Obgleich die Reformmaßnahmen noch relativ jung sind, haben sie bereits zu sichtbaren wirtschaftlichen und sozialen Verbesserungen in den Zielgemeinden sowie einer Kompetenzsteigerung in der Bevölkerung und bei den Gemeindevertretern geführt. Diese Erfolge sind vor allem den Infrastruktur- und den Ausbildungsmaßnahmen geschuldet.