Die Landwirtschaft und die ihr nachgelagerten Wirtschaftszweige bieten das größte Entwicklungspotenzial für die Wirtschaft Burkina Fasos und ein Wachstum zu Gunsten der Armen, die zu 80% von der Landwirtschaft leben. Um das Potenzial nutzen zu können, sind Fördermaßnahmen notwendig, die die Marktintegration der Produzenten, insbesondere von Kleinbauern und -bäuerinnen, stärken und sie aber auch unterstützen, ihre Ernährungsbasis zu sichern und die Zeiten von Nahrungsmittelknappheit zu verkürzen.
Das Kernproblem Burkina Fasos ist seine strukturelle Armut. Wichtige Entwicklungshemmnisse sind der geringe Bildungsstand, die schlechte Gesundheitsversorgung und die ungenügende Nutzung der vorhandenen Potenziale in der Landwirtschaft und in deren vor und nachgelagerten Bereichen, insbesondere in der Weiterverarbeitung und Vermarktung. Welthandelsbeschränkungen betreffen alle landwirtschaftlichen Produkte, besonders aber die Baumwolle. Der Sektor leidet unter wechselkursbedingten Einkommensausfällen und befindet sich zurzeit in einer strukturellen Krise. Sie erfordert eine konsequente Weiterführung begonnener Reformen sowie eine Politik der Diversifizierung der landwirtschaftlichen Produktion.
Ein großes Problem für die kleinbäuerlichen Produzenten stellt die Sicherung der Ernährungsbasis dar. Erst wenn diese gesichert ist, können die Bauern eine Produktion für den Markt ins Auge fassen. Bei der Sicherung der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln versuchen die Produzenten, zu diversifizieren, um das Risiko von Fehlernten auszugleichen.
Diese Diversifizierung auf niedrigem Niveau ist lebensnotwendig, behindert sie aber teilweise, in die Marktproduktion einzusteigen. Bauern, die bereits marktorientiert produziert haben, gehen zurück in die Subsistenzwirtschaft oder verlassen die Dörfer.
Eine Voraussetzung für die Entfaltung des Potenzials in der Landwirtschaft und den nachgelagerten Wirtschaftszweigen sind verbesserte agrarpolitische Rahmenbedingungen, die Produktivitätsreserven vor allem bei Kleinbauern und -bäuerinnen mobilisieren und Möglichkeiten zur Diversifizierung und Weiterverarbeitung ländlicher Produkte erschließen. Staatliche Unterstützungsmaßnahmen müssen die unterschiedliche Faktorausstattung (Boden, Arbeitskräfte, Kapital) und den Marktzugang der Produzent/-innen stärker berücksichtigen. Maßnahmen zur Förderung des Investitionsklimas und des privaten Sektors müssen stärker auf die Armen und insbesondere auf Frauen ausgerichtet sein.
Im Mittelpunkt des deutschen Schwerpunkts „Nachhaltige Agrarwirtschaftsförderung“ in Burkina Faso steht die Förderung der Marktorientierung der landwirtschaftlichen Produktion und deren Weiterverarbeitung (Wertschöpfungskettenansatz). Einerseits sollen aussichtsreiche Potenziale für wettbewerbsfähige, exportorientierte Wertschöpfungsketten (z.B Sesam, Cashew, Bissap), andererseits auch für lokale Vermarktung (z.B. Maniok) identifiziert und durch die Bereitstellung des dazu erforderlichen Angebots an Investitionen, Krediten, Beratungsleistungen und Prozessbegleitung mobilisiert werden. Voraussetzung für die angestrebte Nutzung von Vermarktungspotenzialen der kleinbäuerlichen Produzent/-innen ist dabei zunächst eine gesicherte Subsistenzproduktion. Bei den Pilotmaßnahmen auf der Mikro-Ebene konzentriert sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) auf ca. 60.000 landwirtschaftliche Produzent/-innen von insgesamt schätzungsweise 150.000 in den bilateralen Schwerpunktregionen Südwesten, Osten und der Provinz Sissili, bei denen entsprechende, bislang ungenutzte Potenziale zur marktorientierten Produktion vermutet werden. Mit der Inwertsetzung von Talauen wird in erster Linie auf Ertragsverbesserungen abgezi. Überdies wird Erosionsschutz als integraler Bestandteil der Inwertsetzung, wo dieser notwendig erscheint, durchgeführt.
Die deutsche EZ richtet ihre Unterstützung an der nationalen Armutsbekämpfungsstrategie (CSLP) aus als auch an der im Jahre 2003 erarbeiteten Sektorstrategie zur Förderung der ländlichen Entwicklung (Stratégie de Développement Rural, SDR). Sie baut auf langjährige Erfahrungen im Landwirtschaftssektor auf und stellt diese den Partnern und den anderen Gebern zur Verfügung. Der deutsche Beitrag wird im Zuge der internationalen Arbeitsteilung komplementär zu dem der anderen Geber im Landwirtschaftssektor erbracht.
Die deutsche EZ wird insbesondere zu den folgenden Zielen beitragen:
• Armutsorientiertes Wirtschaftswachstum
• Einkommens- und Beschäftigungssteigerung
• Steigerung privater und öffentlicher Investitionen in den Agrarsektor
• Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Klein- und Mittelbetriebe
• Verbesserung der Ernährungsbasis