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Ernährungssicherung, Wiederaufbau und Konsolidierung des Friedens in der Provinz Uíge
Projektkurzbeschreibung
Bezeichnung: Ernährungssicherung, Wiederaufbau und Konsolidierung des Friedens in der Provinz Uíge
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Angola
Politischer Träger: Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung
Gesamtlaufzeit: Juli 2005 bis Dezember 2007
Ausgangssituation
Nach dem friedlichen Ende des 27-jährigen Bürgerkriegs in Angola im April 2002 ist der größte Teil der intern Vertriebenen, der Flüchtlinge und demobilisierten Soldaten mit ihren Familien in ihre Ursprungsgebiete zurückgekehrt oder hat sich in neuen Gebieten angesiedelt. In der Provinz Uíge, im Norden Angolas, finden die Rückkehrer eine sehr schwierige und gefährliche Situation vor. Nur einige Zugangsstraßen sind von Landminen geräumt. An vielen Orten sind strategische Punkte und Zugangswege immer noch vermint und damit nicht zugänglich. Soziale, produktive und Verkehrsinfrastruktur sind weitestgehend zerstört. Die landwirtschaftlichen Nutzflächen liegen seit vielen Jahren brach. Sie sind vielfach von Sekundärvegetation überwuchert, die eine Rekultivierung der Flächen durch die gesundheitlich geschwächten Rückkehrer erheblich erschwert. Staatliche Institutionen sind im Landesinneren kaum präsent und mit der Unterstützung der Rückkehrer völlig überfordert. Aufgrund dieser Umstände und des außerordentlich hohen Vorkommens von Krankheiten ist der Ernährungs- und Gesundheitszustand der Bevölkerung, und besonders der von Frauen und Kindern, durchweg schlecht. Die Mehrheit der Bevölkerung in den ländlichen Gebieten ist aus eigener Kraft nicht in der Lage, ihr Überleben nachhaltig zu sichern.
Ziel
Arme und von Bürgerkriegsfolgen betroffene Familien in ausgewählten Gemeinden der Provinz Uíge haben ihre wirtschaftlichen und sozialen Lebensgrundlagen nachhaltig verbessert.
Vorgehensweise
Die Strategie des Projekts beruht auf der gegenseitigen Bedingtheit von Ernährungsgefährdung und konfliktbedingter Instabilität. Das Konzept kombiniert Maßnahmen zur Ernährungssicherung, Institutionenförderung, Stärkung der Selbsthilfe- und Dialogfähigkeit, Reintegration und gewaltfreie Konfliktbearbeitung.
Wirkung – Was bisher erreicht wurde
- Wege- und Brückenrehabilitierung
Nach Erkundung der Lage von Landminen wurden mittels Food-for-Work (Nahrung für Arbeit) fast 60 Kilometer Zufahrtswege vom Verwaltungshauptsitz Sanza Pombo zu den Kommunen Wamba und Kuilo Pombo von etwa 340 Wegebauarbeitern manuell rehabilitiert. Zwei Brücken wurden wiederaufgebaut. Eine erneute Intervention wird 2007 notwendig sein, um diese strategischen Straßenverbindungen ganzjährig befahrbar zu rehabilitieren.
- Nahrungsmittelproduktion und Geldeinkommen
Etwa 3.900 Bauernfamilien erhielten Saatgut zur Produktion von Hauptnahrungsmitteln. Ein Rotationsfonds wurde eingerichtet und seine Handhabung vermittelt. Dieses Saatgut wird so in den kommenden Jahren sukzessive den restlichen etwa 17.000 Familien der Gemeinde Sanza Pombo zugute kommen. Das Projekt ergänzt die Maßnahmen zur Förderung der Nahrungsmittelproduktion durch die Einführung des kommerziellen Gemüseanbaus, anfangs für 400 Familien auf 25 Hektar. Die Bauernfamilien bekommen so eine ausgewogenere Ernährung sowie Geldeinkommen für den Kauf zusätzlicher Nahrungsmittel auf dem lokalen Markt.
- Gesundheit und Ernährung
Um akute Nahrungsmitteldefizite und Ernährungsgefährdung zu überbrücken, wurden nicht selbst produzierbare Nahrungsmittel wie Speiseöl, Zucker, jodiertes Salz und Reis an etwa 9.300 Kinder unter 5 Jahren, 1.500 schwangere Frauen und 4.000 Frauen im reproduktiven Alter frei verteilt. Parallel führte das Projekt anthropometrische Messungen bei Kindern unter 5 Jahren durch und ermittelte, dass nach WHO-Standard fast 30 Prozent der Kinder chronisch und fast 7 Prozent akut unterernährt sind. Die Daten werden dem lokalen Gesundheitsdienst als Grundlage für ein Frühwarn- und Fürsorgesystem zur Ernährungssicherung dienen. Dieselbe Bevölkerungsgruppe, etwa 14.000 Kinder und Frauen, wurde in drei Impfkampagnen immunisiert und erhielt Moskitonetze zur Malariaprävention. Die Mütter wurden über eine angemessene Ernährung der Kleinkinder aufgeklärt. Die Gesundheitsposten wurden mit essenziellen Medikamenten ausgestattet.
- Selbsthilfeförderung und Konfliktbearbeitung
Das Projekt bildete die traditionellen Dorfautoritäten (sobas) der 240 Dörfer in der Handhabung sogenannter Dorfakten aus. Die Dorfakte ist ein methodisches Instrument, mit dem Dörfer Bedarfsanalyse machen und vordringliche Entwicklungsmaßnahmen planen können. Darüber hinaus wurden Diskussionsforen in den Kommunen (Foros Comunais de Desenvolvimento) unterhalb der Gemeindeebene eingerichtet. Es wird erwartet, dass sich Dorfakte und Diskussionsforen im zukünftigen Planungs- und Budgetierungssystem der Gemeindeverwaltung fest etablieren.
Um dieses partizipative Planungsinstrument zu ergänzen, wurde zur konstruktiven Konfliktbearbeitung mit der Unterstützung des Baus sogenannter Njangos begonnen. Der Njango ist ein offener runder Pfahlbau mit Strohdach, der traditionell als Versammlungsstätte diente. Durch den Krieg sind die Njangos nicht nur als Teil der Infrastruktur verloren gegangen, sondern mit ihnen auch die Gewohnheit der Dorfgemeinde, sich regelmäßig zu treffen. Um die Begegnungsstätten wiederzubeleben, begann das Projekt zunächst einen Njango im Verwaltungssitz der Gemeinde Sanza Pombo zu bauen. Weitere Njangos werden 2007 in den Hauptdörfern (vilas) der drei Kommunen folgen sowie in den untergeordneten territorialen Verwaltungseinheiten der 20 Regedorias bis hin zu den 240 Dorfgemeinden. Der Njango birgt die Perspektive in sich, ein Ort zu werden, an dem neben allgemeinen Fragen der Entwicklung, Ausbildung und des sozialen Austauschs auch brisante, konfliktive Themen auf neutralem Terrain angesprochen und bearbeitet werden können.
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