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Ansprechpartner


Frau Dr. Michaela Baur
E-Mail: michaela.baur@giz.de

Wiedereingliederung arbeitsloser Frauen in das Erwerbsleben

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Wiedereingliederung arbeitsloser Frauen in das Erwerbsleben
Auftraggeber: Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: China
Politischer Träger: Ministerium für Arbeit und Sozialordnung der VR China
Gesamtlaufzeit: April 1999 – Juli 2006

Ausgangssituation

China. Trainingskurs für Buchbinder. © GTZ

Die Reformen der chinesischen Wirtschafts- und Sozialstrukturen mit dem Ziel der besseren Einbindung in die Weltwirtschaft haben zu enormen Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt geführt. Etwa 20 Prozent der erwerbfähigen Bevölkerung sind arbeitslos, das sind 130 Millionen Menschen. Die Arbeitsmarktlage ist zwar in den Küstenregionen des Ostens und in einigen Metropolen vergleichsweise günstiger, im ärmeren Westen des Landes sowie den alten Industrieregionen des Nordostens ist die Arbeitslosigkeit dafür um so erheblicher. 10 Millionen Menschen ziehen daher jährlich von dort weg in die Städte. Dort werden Arbeitskräfte gebraucht, aber weder die aus den ländlichen Regionen zuziehenden Menschen noch die in den Städten selbst arbeitslos gewordenen Einwohner verfügen über die geforderten Qualifikationen, um Stellen im schnell wachsenden Dienstleistungssektor besetzen zu können, der zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Von dieser Problematik sind Frauen stärker betroffen als Männer. Sie verloren in den 1990-er Jahren nicht nur schneller ihre Arbeitsplätze, sondern haben auch größere Schwierigkeiten, neue zu finden. Sie werden tendenziell in schlechter bezahlte Positionen abgedrängt und bleiben dort gering qualifiziert und sozial kaum abgesichert.

Dies stellt große Herausforderungen an Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Statt wie bislang nur unqualifizierte Arbeitskräfte in möglichst großer Anzahl zu rekrutieren, muss eine zukunftsorientierte Arbeitsmarktpolitik die Qualifizierung von Arbeitskräften entsprechend der Anforderungen einer modernen Wirtschaftsstruktur in großem Maßstab vorantreiben.

Dieses Projekt arbeitet zur Reform der Arbeitsmarktpolitik am Standort Nanjng (Provinz Jiangsu) und in der durch veraltete Schwerindustrie geprägten Stadt Benxi (Provinz Liaoning).

Ziel

Das Arbeitsamt der Stand und andere wichtige Akteure des Arbeitsmarkts im Bereich von Nanijing verfügen über eine ausgearbeitete Strategie, der wachsenden Frauenarbeitslosigkeit zu begegnen. Frauen erlangen in zunehmendem Maße abhängige sowie auch selbständige Beschäftigungsverhältnisse. Frauen sind auf allen Qualifizierungsstufen und in allen Berufen angemessen vertreten und werden nicht weiter in bestimmte Beschäftigungsfelder abgedrängt.

Die in Nanjing gewonnenen Erfahrungen sind erfolgreich nach Benxi übertragen und an die dortigen Verhältnisse angepasst worden.

Die Erfahrungen und Ergebnisse sind dokumentiert und stehen landesweit zur Verfügung.

Vorgehensweise

China. Kochkurs für arbeitslose Frauen. © GTZ

Das Projekt entwickelt gemeinsam mit den örtlichen Partnern Konzepte für die Berufsberatung, die Aus- und Weiterbildung von Arbeitskräften sowie für Existenzgründungen und flexible Beschäftigungsformen wie Zeitarbeit.
Die Mitarbeiter der Arbeitsämter werden dabei auf eine zeitgemäße Kundenorientierung verpflichtet. Statistiken sollen künftig tauglich für das Monitoring und Steuerung der Reformen sein, wozu die Beschäftigten der Arbeitsämter ein neues Verständnis über das Instrument Statistik entwickeln müssen. Genderbewusstsein wird geweckt.

Bei der Formulierung und Umsetzung der Arbeitsmarkpolitik müssen zunehmend private Institutionen einbezogen werden. Arbeitsmarktpolitik muss – anders als bisher - als ein die regionale Wirtschaftsentwicklung flankierender Politikbereich verstanden und etabliert werden.

Alle erarbeiteten Konzepte werden praktisch erprobt, die gewonnenen Erfahrungen systematisch ausgewertet und dokumentiert. Erfolgreiche Verfahren, Instrumente und Organisationsmodelle werden schrittweise in den Arbeitsämtern von Nanjing und Benxi übertragen und dann im ganzen Land bekannt gemacht.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Durch zahlreiche vom Projekt mitgestaltete Anreize für die Einstellung von Frauen hat sich der prozentuale Anteil der Frauen an den Arbeitslosen in Nanjing verringert, auch ist die Arbeitslosenzahl insgesamt gesunken. Die Instrumente und Verfahren haben sich bewährt und werden bereits über den Einflussbereich des Projektes hinaus allgemein verwendet.

Das zuvor stark paternalistisch geprägte Arbeitsverständnis der Arbeitsämter wurde erkennbar verändert. Die Mitarbeiter gehen individueller auf die Situation der einzelnen Arbeitslosen ein und berücksichtigen bei der Beratung den jeweiligen Qualifizierungsbedarfe in besonderem Maße. Arbeitslose und Arbeitgeber sind nun Kunden des Arbeitsamtes und werden als solche behandelt. Die neue Form der Berufsberatung und gezielte Aus- und Weiterbildungen für Arbeitslose haben zu einer enormen Zunahme der erfolgreichen Vermittlungen geführt. Arbeitsverhältnisse werden weniger oft wieder gelöst, sie sind sicherer geworden.

Eine wirkungsvolle Arbeitsmarktpolitik wird jetzt von allen Akteuren als unerlässliche Voraussetzung für eine positive Wirtschaftsentwicklung verstanden. Die eingesetzten Instrumente und Verfahren werden schrittweise immer mehr am Bedarf des Marktes orientiert.

Ein besonderer Erfolg des Projektes ist die Etablierung eines Modells der “sozialverträglichen Zeitarbeit”. Bei Zeitarbeitsfirmen hat es in Nanjing einen regelrechten Boom gegeben: 2002 unternahmen mit Hilfe des Projektes zwei Firmen erste Schritte in diese Richtung, 2006 gibt es bereits über 200 Zeitarbeitsfirmen. 30 davon sind in einem – ebenfalls vom Projekt angeregten - Branchenverband zusammen geschlossen und haben sich dem Prinzip der Sozialverträglichkeit verpflichtet. Allein diese Firmen beschäftigen und betreuen über 70.000 Zeitarbeitnehmer. Das Instrument Zeitarbeit passt so gut in die aktuelle Transformationsphase der Wirtschaft, dass es auch an anderen Orten auf große Aufmerksamkeit gestoßen ist und zunehmend praktiziert wird. Während die Arbeitgeber von der Flexibilität profitieren, genießen die Arbeitnehmer die Rechtmäßigkeit ihrer Arbeitsverträge, die soziale Absicherung sowie die Zuverlässigkeit der Lohnzahlungen.

Da in der Region Benxi die Wirtschaft noch wesentlich staatsfixierter ist, wurden die in Nanjing entwickelten Instrumente und Verfahren zwar übertragen und ortsspezifisch modifiziert, zu den erwünschten Äderungsprozesse konnten jedoch erst erste Impulse gesetzt werden. Gerade im Bereich der veralteten Schwerindustrie wäre aber eine konsequente Verzahnung von Arbeitsmarktpolitik und der Wirtschaftspolitik dringend geboten. Hierzu sind insbesondere die privaten Akteure in der Region schon bereit, staatliche Stellen sind noch reservierter.
Mit einer teils unkonventionellen Öffentlichkeitsarbeit und vielen Aktivitäten zur Weckung des Genderbewusstseins ist es gelungen, fest etablierte Geschlechterstereotypen in Frage zu stellen. Die Änderung des allgemeinen Bewusstseins in dieser Frage ist längst nicht abgeschlossen, dem Projekt ist es aber gelungen, die öffentliche Diskussion dazu zu eröffnen und die Akzeptanz neuer Ideen zu erhöhen.

Weitere Informationen


Aktuelles

China: GTZ hilft Frauen beim Sprung ins Arbeitsleben
Das Beispiel zeigt, wie das Motto des Internationalen Frauentags 2006 „Women in decision-making: meeting challenges, creating change“ in die Praxis umgesetzt werden kann.

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