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Dem Teufelskreis von Armut und sozialer Ausgrenzung entgehen

Diskussionsrunde zu Sozialer Sicherung in Berlin

„Die zunehmende Globalisierung bedarf einer sozialen Dimension.“ In ihrer Eröffnungsrede anlässlich der Podiumsdiskussion „Globalisierung gestalten: Soziale Sicherungssysteme in Entwicklungs- und Schwellenländern“ in Berlin führte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesentwicklungsministerium Karin Kortmann vor Augen, dass wirtschaftliches Wachstum alleine nicht ausreicht, um den bedürftigsten Bevölkerungsgruppen ein Ausbrechen aus dem Teufelskreis von Armut und sozialer Ausgrenzung zu ermöglichen. „Was wir brauchen, ist der Zugang zu sozialer Sicherheit für alle Teile der Bevölkerung. Nur so lässt sich die Globalisierung dauerhaft gerecht gestalten.“ Rund 150 Gäste folgten der Einladung von Karin Kortmann am 29. November ins GTZ-Haus.

Nur ein Viertel der Weltbevölkerung verfügt über eine soziale Absicherung gegen grundlegende Lebensrisiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter und Armut – die meisten dieser Menschen leben in Entwicklungs- und Schwellenländern. Besonders hart betroffen ist der informelle Sektor, also jene Menschen, die nicht in regulären Arbeitsverhältnissen stehen. Zum Beispiel Indien: 60 Prozent der Wirtschaft in dem Land ist informell, berichtet Mirai Chatterjee von der Self-Employed Women's Association (SEWA). „Ich habe Frauen gesehen, die ihren Schmuck verkaufen und ihr gesamtes Einkommen aufbrauchen, um ihr krankes Kind zu retten.“

Michael Cichon, Direktor für Soziale Sicherheit bei der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), weiß, dass sich die Armut in den OECD-Ländern durch soziale Sicherungssysteme um bis zu 50 Prozent senken ließe. „Selbst ein Minimalpaket aus Kindergeld und geringer Rente würde die Armut um mindestens 30 Prozent senken und ein Land gerade mal drei bis fünf Prozent seines Bruttosozialprodukts kosten.“ Er hält den Zeitpunkt für günstig und apelliert an die WHO und die UN: „Macht die Konventinen, die wir lokal umsetzen können.“ Dazu gehöre auch, Mindestsozialstandards überhaupt erst einmal zu definieren.

Timothy G. Evans, Stellvertretender Generaldirektor bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) drängt, bei den Menschen für soziale Sicherungssysteme zu werben: „Wenn sie die Vorteile erkennen, dann sind sie auch bereit, einen Teil ihres Einkommens dafür aufzuwenden.“ Walter Riester, Abgeordneter im Deutschen Bundestag, zeigte sich zum Ende der Debatte optimistisch: „Die Hoffnung, die ich immer noch habe ist, dass die Globalisierung sozial gestaltet werden kann. Vielleicht ist mit dieser Diskussion ein Anfang dazu gemacht.“

 


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