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Frauenrechte in der arabischen Welt

Tagung „Land in Sicht? Frauenrechte in der arabischen Welt zwischen Anspruch und Realität“ in Bonn 2009

Realität lässt Wünsche offen, Akteure sind aber auf dem richtigen Weg

„Es herrscht eine Kluft zwischen dem Rechtssystem und der sozialen Wirklichkeit“ betonte die marokkanische Frauenrechtlerin Malika Benradi am 20. November auf der internationalen Tagung „Land in Sicht? Frauenrechte in der arabischen Welt zwischen Anspruch und Realität“ in Bonn. Die Deutsche Welle, das Frauenrechtsnetzwerk WOMNET und die GTZ hatten gemeinsam eingeladen, um Erfahrungen, Herausforderungen und innovative Strategien zur Verbesserung der rechtlichen Situation von Frauen im arabischen Raum zu erörtern. Seitens der GTZ war das überregionale Beratungsprogramm „Gleichberechtigung und Frauenrechte“ federführend, dass die GTZ im Auftrag des BMZ durchführt. Der Einladung gefolgt waren zahlreiche namhafte internationale Frauenrechtlerinnen.

Wichtigstes Ergebnis der Tagung: Die Gesetzgebung ist vielfach weit fortschrittlicher als die gesellschaftliche Realität. Vor allem soziale, kulturelle und ökonomische Barrieren hindern Frauen aber daran, ihre Rechte auch in Anspruch zu nehmen.

Die Professorin für  Familienrechte Malika Benradi (Universität Mohammed V., Marokko) und die Wissenschaftlerin Nadya Khalife (Human Rights Watch, Libanon) sprachen sich in diesem Zusammenhang für eine klare Trennung von Staat und Religion aus.

Auch die Journalistin und Wissenschaftlerin Mariz Tadros (Al-Ahram Weekly/University of Sussex) machte darauf aufmerksam, dass Rechtsreformen nicht automatisch mit Änderungen im sozialen Bereich einhergehen, sondern in ihrer Umsetzung oft von wirtschaftliche Faktoren beeinflusst würden.

Die meisten Erfahrungen und vor allem innovativen Ansätze zur Verbesserung der rechtlichen Situation von Frauen sind zwar aufgrund historischer, politischer und gesellschaftlicher Unterschiede nicht vergleichbar oder direkt von Land zu Land zu übertragen, es fanden sich im Verlauf der Tagung aber zunehmend gemeinsame Ansatzpunkte.

Für Abdulqawi Hassan (International Union „Muslim Leaders of Tomorrow“ und ehemaliger Projektleiter für „Frauenrechte im Islam“ des Women’s Forum of Research and Training, Jemen), Maha Siada (Arab Network for Gender Development, United Nations Disengagement Observer Force UNDOF, Syrien) und Iman Mandour (Center for Egyptian Women’s Legal Assistance, Ägypten) steht fest: 

  • Rechtsreformen sind in jedem Fall der erste Schritt auf dem Weg zur Verbesserung der Situation von Frauen. 
  • Zweiter wichtiger Schritt ist der Zugang zu Bildung, die für Frauen als Menschenrecht oft nur auf dem Papier existiert. Bildung eröffnet die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben und zur Teilhabe an einer repräsentativen Demokratie. Kurz: Frauen müssen ihre Rechte kennen, um sie einfordern zu können.
  • Sodann müssen Frauen auch in wirtschaftlichen Fragen beteiligt werden. Teilhabe an Wirtschaftsprozessen schützt Frauen vor sozialer Exklusion.

Für die Veränderung des innergesellschaftlichen Klimas in Richtung Geschlechtergerechtigkeit wurde den Medien eine zentrale Rolle zugesprochen.


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