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Common Code for the Coffee Community (4C)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Common Code for the Coffee Community (4C)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ), Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO)
Land: länderübergreifend
Partner: Common Code for the Coffee Community Association
Gesamtlaufzeit: 2002 bis 2010

Ausgangssituation

Angebaut wird Kaffee fast ausschließlich in Entwicklungsländern, beispielsweise in Vietnam, Kenia, Brasilien oder Guatemala, getrunken wird er aber hauptsächlich in Industrieländern. Die aromatischen Bohnen sind nach Erdöl der meistgehandelte Rohstoff der Welt. Starke Preisschwankungen des Rohkaffees und die hohe Abhängigkeit der Kaffeeanbauer vom Markt sind ein ständiges Risiko, dem mehr als 100 Millionen Menschen ausgesetzt sind. Betroffen sind vor allem Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie Arbeiterinnen und Arbeiter und deren Familien. Da der Wettbewerb überwiegend über den Preis erfolgt, werden bei der Produktion oftmals soziale, ökologische und qualitative Mindestanforderungen außer Acht gelassen. Zunehmende Nachfrage nach nachhaltig produziertem Kaffee sowie Qualitätsanforderungen der Kaffeeindustrie bieten Ansatzpunkte zur Verbesserung der Kaffeeproduktion. Bestehende Standardprogramme, die ein hohes Maß an Nachhaltigkeit garantieren, sind bisher nur bedingt zur Bedienung des Massenmarkts geeignet. Nur ein kleiner Teil der Kaffeeanbauer kann die hohen Standards erfüllen und sich damit bessere Vermarktungsmöglichkeiten erschließen. Damit wesentlich mehr Menschen, die vom Kaffeeanbau leben, ein besseres und vor allem auch sichereres Einkommen haben, ist ein Ansatz erforderlich, der den Massenmarkt erreicht und gleichzeitig nachhaltig ist.

Ziel

Mit einem weltweit gültigen Verhaltenskodex und entsprechenden Unterstützungsleistungen für die gesamte Kaffeebranche soll im Kaffee-Massenmarkt mehr Nachhaltigkeit erreicht werden. Durch die Einführung der Standards und breitflächiges Training in ihrer Nutzung sollen die sozioökonomischen Bedingungen der kleinbäuerlichen Kaffeeanbauer verbessert werden. Es gilt, ihre Organisationsstrukturen zu stärken, die Kosten des Anbaus zu reduzieren, die Qualität des Produktes zu verbessern sowie die Abläufe entlang der Wertschöpfungskette zu optimieren. Das soll den Produzentinnen und Produzenten höhere Erträge ermöglichen.

Vorgehensweise

Der Common Code for the Coffee Community (4C) wurde von der GTZ gemeinsam mit Vertretern des privaten und öffentlichen Sektors, wichtigen internationalen Organisationen sowie Vertretern der Produzentenländer, wie zum Beispiel Kleinbauern aus Guatemala oder Kenia entwickelt. Akteure aus über 20 Ländern – von Brasilien über Kenia bis nach Vietnam – Kaffeeröster wie Tchibo, Kraft Foods oder Nestlé, Händler wie die Neumann Kaffee Gruppe, aber auch Vertreter von Nichtregierungsorganisationen wie Oxfam und wichtigen Gewerkschaften aus Brasilien oder Uganda entwickelten gemeinsam ein System für mehr Nachhaltigkeit im Kaffee-Massenmarkt.

Finanziert wurde dieser gesamte PPP-Prozess vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und der Flämischen Entwicklungsagentur (FICA). Private Partner waren zuerst der Deutsche, später dann der Europäische Kaffeeverband. Die GTZ übernahm die Koordination und fachliche Steuerung des Projektes.

Der Verhaltenskodex ist nur ein Bestandteil des 4C-Konzepts. Eine weitere wesentliche Komponente ist die breite Unterstützung für die Kaffeeanbauer. Alle Bäuerinnen und Bauern, die an 4C teilnehmen, werden bei der Einhaltung des Kodexes unterstützt, beispielsweise durch Trainings- und Weiterbildungsmaßnahmen oder durch Zugang zu guten landwirtschaftlichen Praktiken. Dies kann ebenfalls durch Training erfolgen, aber auch durch Austausch über Internet-Plattformen.

Zwischenzeitlich gründeten die zuvor an der Entwicklung des Verhaltenskodexes beteiligten Akteure zusammen mit weiteren eine eigenständige „4C Association“ – einen Verein für mehr Nachhaltigkeit im Kaffeesektor. Mitglieder dieses Vereins sind Kaffeeproduzenten, Kaffeeröster, Händler und zivilgesellschaftliche Vertreter. Die 4C-Produzenten verpflichten sich, keine inakzeptablen Praktiken anzuwenden, dazu gehören zum Beispiel die schlimmsten Formen der Kinderarbeit oder das Abholzen von Regenwäldern. So wird ein Mindestmaß an Nachhaltigkeit erreicht. Gleichzeitig verpflichten sie sich, ihre Praktiken weiter zu verbessern. Die Mitglieder von Industrie und Handel finanzieren den Verein und kaufen steigende Mengen des nach den 4C-Kriterien produzierten Kaffees. Die GTZ fördert im Auftrag des BMZ weiterhin den Common Code for the Coffee Community. Im Mittelpunkt steht dabei die Unterstützung für die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie die Einbindung öffentlicher Akteure. 4C soll als breit anwendbarer Mindeststandard für den Kaffee-Massenmarkt ein komplementäres Werkzeug zu den anspruchsvollen Standards, wie beispielsweise dem Fairen Handel bieten und Produzentinnen und Produzenten dabei unterstützen, die ersten Schritte zur nachhaltigen Produktion aufzunehmen.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Auf rund 153 000 Hektar bauen inzwischen weltweit mehr als 14 000 Produzentinnen und Produzenten Kaffee nach 4C-Standards an, das sind rund 274 000 Tonnen Kaffee pro Jahr. Diese Menge entspricht gut vier Prozent der Weltproduktion. Mithilfe der neuen, verbesserten Anbautechniken ist die Erzeugung effizienter geworden, die Qualität des Kaffees hat sich verbessert. Dies in Verbindung mit besserem Marktzugang und steigender Nachfrage nach dem nachhaltig produzierten Kaffee lässt die Einkommen der Kaffeeanbauer steigen, mancherorts um bis zu 30 Prozent.

Die Anbauer werden auch in ihren Organisationsstrukturen gestärkt und erhalten besseren Zugang zu Finanzdienstleistungen, da 4C stabile Organisationsstrukturen fördert und eine Referenz für lokale Banken darstellt. Der prozessorientierte Ansatz von 4C und die relativ geringen Anforderung des 4C-Verifizierungssystems im Vergleich zu bekannten Zertifizierungssystemen macht es den Kaffeebauern leichter, bei 4C teilzunehmen und ihre Anbaupraxis kontinuierlich in Richtung Nachhaltigkeit zu verbessern. Die Kaffeehändler und die Kaffeeindustrie profitieren von 4C durch ein gesichertes, langfristiges Angebot an Kaffee, der unter zunehmendem Respekt für Umwelt und Mensch hergestellt wurde, und können somit den Konsumentenbedürfnissen besser begegnen. 4C ermöglicht ihnen außerdem die Optimierung ihrer Lieferketten und somit einen effizienteren Wertschöpfungsprozess.

4C ist attraktiv, das zeigt das anhaltende Interesse an dem Verband, dem inzwischen 93 Mitglieder angehören, darunter die größten Röster, Händler und Produzentenorganisationen. Sie präsentieren einen Großteil des Weltkaffeesektors. Auch die Nachfrage nach Trainingsmaßnahmen ist nach wie vor ungebrochen.

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