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Herr Jörg Baur
E-Mail: joerg.baur@giz.de

Erneuerbare Energien, ländliche Elektrifizierung und nachhaltige Bereitstellung von Haushaltsbrennstoffen

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm zur Förderung der erneuerbaren Energien, der ländlichen Elektrifizierung und der nachhaltigen Bereitstellung von Haushaltsbrennstoffen (PERACOD)
Auftraggeber: Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Senegal
Politischer Träger: Ministère de l'Energie
Gesamtlaufzeit: August 2003 bis Juli 2015

Ausgangssituation

Durch den dramatisch gestiegenen Rohölpreis besteht im Senegal ein starkes Interesse an einer Diversifizierung der Energiequellen, besonders an erneuerbaren Energien.

Ende 2009 verfügten lediglich 22 Prozent der ländlichen Haushalte über Strom. Dies erschwert die wirtschaftliche Entwicklung, aber auch den Zugang zu Bildung, Gesundheit, Kommunikation und Kultur.

Fast die gesamte ländliche Bevölkerung und 30 Prozent der Stadtbewohner nutzen Feuerholz oder Holzkohle zum Kochen. Die unkontrollierte Abholzung der Wälder führt zu Erosion und Verlust der Bodenfruchtbarkeit. Die zukünftige Versorgung mit Kochenergie ist gefährdet.

Ziel

Rahmenbedingungen und Umsetzungskapazitäten für den nachhaltigen Zugang zu modernen Energiedienstleistungen - vor allem für die armen Bevölkerungsschichten - sind verbessert.

Vorgehensweise

Waldbewirtschaftung durch die Bevölkerung © GTZ

Auf der politischen Ebene unterstützt PERACOD die wichtigsten staatlichen Akteure, um eine bessere Einbindung von Energiedienstleistungen in die nationalen Entwicklungspläne wie PRSP (Poverty Reduction Strategy Paper) und die sektorale Entwicklungspolitik (Gesundheit, Ausbildung, Landwirtschaft) zu fördern. Auf der lokalen Ebene werden grundlegende Energiedienstleistungen  bei der Erstellung lokaler Entwicklungspläne zusätzlich berücksichtigt.

Um die ländliche Elektrifizierung auszubauen, schreibt die Agentur für ländliche Elektrifizierung (Agence Sénégalaise d'Electrification Rurale – ASER) Konzessionen für private Versorger aus, die bis zu 50 Prozent der ländliche Bevölkerung bis 2012 Zugang zu Strom verschaffen sollen. Dafür erhalten die Betreiber einen Zuschuss und müssen anschließend dafür die Versorgung über 25 Jahre eigenständig übernehmen. In netzfernen entlegenen Gebieten unterstützt das Programm zusammen mit der ASER die Elektrifizierung auf der Basis von lokalen Initiativen. Als kostengünstigste Option kommen hier häufig Solarstromanlagen zum Einsatz. Die Hauptaufgaben des Programms bestehen darin, die ASER und die zuständige Direktion des Energieministeriums zu beraten sowie Gemeinden und den Privatsektor für die Umsetzung der Maßnahmen zu qualifizieren.

Um eine nachhaltige Versorgung mit Haushaltsbrennstoffen zu gewährleisten, fördert das Programm, gemeinsam mit der Forstdirektion des Umweltministerium, eine partizipative und nachhaltige Waldbewirtschaftung und unterstützt die Köhler bei der Einführung effizienterer Karbonisierungstechniken. Außerdem unterstützt PERACOD  die Produzenten energiesparender Herde bei Herstellung und Vertrieb. Unternehmen, die alternative Brennstoffe aus landwirtschaftlichen Abfallprodukten und Schilfgras produzieren werden auf allen Ebenen gefördert. Dies bedeutet auch eine Arbeitsentlastung der Frauen, die weniger Zeit zum Holzsammeln und Kochen benötigen.
Das Programm berät den Senegal, wie er außerdem umweltfreundliche Alternativen zur Stromgewinnung fördern kann. Investoren für erneuerbare Energien benötigen klare, attraktive Rahmenbedingungen. Deshalb unterstützt das Programm die senegalesische Regierung derzeit bei der Erstellung eines Gesetzes zur Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien ins Netz.

Projekte, die den Zugang zu modernen Energiedienstleistungen ermöglichen, haben hohe Investitionskosten. Daher unterstützt das Programm die Akteure bei der Auswahl geeigneter Projekte, damit sie von zusätzlichen Finanzierungsquellen wie etwa zertifizierten Emissionsreduktionen im Rahmen des Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (CDM) profitieren können.

Für die beschriebenen Maßnahmen setzt das Programm auch Mittel aus dem Programm „Energising Development“ der niederländischen Entwicklungszusammenarbeit (Netherlands Directorate-General of Development Cooperation – DGIS) ein.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

In der Pilotphase der Elektrifizierung über lokale Initiativen wurden 17.000 Menschen in 72 Dörfer mit Strom versorgt . Drei private Betreiber haben Stromanlagen installiert und die Versorgung mit Elektrizität aufgebaut. Rund 150 zusätzliche kleine Dörfern ohne Zugang zu Elektrizität wurden für die Elektrifizierung in der 2. Programmphase (Start Sommer 2009) ausgewählt. In den Dörfern wird der Strom von Privathaushalten aber auch von Schulen und Krankenstationen genutzt. Zusätzlich wird die Elektrizität auch zur Realisierung Einkommen schaffender Maßnahmen von ländlichen Kleinunternehmern verwendet und so der wirtschaftliche Aufschwung in den Dörfern gefördert. 

Für rund 40.000 Hektar Wald wurden Waldmanagementpläne erstellt und die rechtlichen Grundlagen für die Bewirtschaftung durch Gemeinden geschaffen. Seit 2009 werden diese Waldflächen von der lokalen Bevölkerung nachhaltig bewirtschaftet. Mehr als 500 Menschen können inzwischen ein attraktives Zusatzeinkommen außerhalb der Landwirtschaftssaison erwirtschaften.

133 Schmiede und sechs Keramiker-Kooperativen wurden für die Herstellung von Energiesparherden ausgebildet. 2009 liegen die Produktionszahlen bei rund 2.200 Herden pro Monat. Insgesamt wurden zwischen Ende 2007 bis Dezember 2009 ca. 72.000 verbesserte Herde verbreitet, die jedes Jahr rund 100.000 t Holz einsparen. Die Nutzer verbesserter Herde sparen mehr als 100 EUR pro Jahr an Brennstoffkosten, wodurch die ärmeren Bevölkerungsschichten um insgesamt ca. 6-10 Mio. EUR jährlich entlastet werden. Frauen sind beim Kochen deutlich weniger gesundheitsschädlichen Rauchgasen ausgesetzt.

Firmen und private Initiativen werden bei der Herstellung von Ersatzbrennstoffen (Biokohle) aus Erdnussschalen, Rohrkolbenschilf und Holzkohlestaub unterstützt.

Gemeinsam mit dem Sektorvorhaben TERNA (Technical Expertise for Renewable Energy Application) wurden der Stromversorger Senelec und die Ecole Supérieure Polytechnique dabei unterstützt, zwei Windmessanlagen zu errichten. Im Küstenstreifen zwischen Dakar und St. Louis wurde ein Windpotenzial errechnet, das schon heute eine Stromerzeugung zu konkurrenzfähigen Kosten erwarten lässt. In Folge dessen unterstützt das Programm eine Machbarkeitsstudie für einen Windpark von 50MW, die seit Mai 2010 vorliegt.

Handwerker, die Energiesparöfen herstellen und vermarkten. © GTZ

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