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Herr Detlev Holloh
E-Mail: detlev.holloh@giz.de

Entwicklung eines ländlichen Finanzsystems

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Entwicklung eines ländlichen Finanzsystems
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Indien
Politischer Träger: National Bank for Agriculture and Rural Development (NABARD)
Gesamtlaufzeit: 2009 bis 2013

Ausgangssituation

Trotz der großen Anzahl an Banken und Kreditinstituten haben die meisten Inder, die auf dem Land leben und insbesondere die armen Bevölkerungsgruppen, nach wie vor keinen ausreichenden Zugang zu Finanzdienstleistungen. Unter den Armen sind ungefähr 100 Millionen Binnenmigranten, die praktisch keine Möglichkeit zur Inanspruchnahme von Finanzdienstleistungen haben, obwohl gerade sie darauf angewiesen sind, Geld überweisen zu können.

Seit 2006 versucht die indische Regierung, dieses Problem mit verschiedenen Reformen in den Griff zu bekommen. Die Reformen zielen darauf ab, die bisher vernachlässigten ländlichen Regionen sowie die ärmeren Bevölkerungsschichten am Finanzwesen teilhaben zu lassen. Dabei verspricht man sich von der Reform des genossenschaftlichen Kreditwesens (Cooperative Credit Structures – CCS, Banken und Kreditgenossenschaften) einen besonders wichtigen Beitrag zur ländlichen Entwicklung und zur Minderung der Armut. Die indische Regierung hat die staatliche Entwicklungsbank NABARD mit der Umsetzung des Reformprogramms beauftragt und wird die NABARD wahrscheinlich auch mit der Überwachung der wachsenden Zahl der Mikrofinanzorganisationen (MFOen) betrauen.

Das genossenschaftliche Kreditwesen und die MFOen umfassen etwa 100.000 Institutionen mit rund 150 Millionen Mitgliedern und Kunden. Diese bieten gute Voraussetzungen, um einen wesentlichen Beitrag zur Teilhabe der ländlichen Armen am Finanzwesen zu leisten. Allerdings wird das Wachstum ihrer Spareinlagen sowie des ausgereichten Kreditvolumens durch Schwächen im Management sowie durch ungenügende interne und externe Kontrollmechanismen gehemmt. Außerdem gibt es keine institutionelle Infrastruktur für Geldüberweisungen.

Ziel

Die Anzahl der Kreditgenossenschaften, MFOen und anderen Institutionen, die Finanzdienstleistungen für arme Menschen auf dem Land anbieten, hat deutlich zugenommen, und sie erbringen qualitativ bessere Leistungen.

Vorgehensweise

Zur Erreichung des Programmziels arbeitet die GIZ mit der Bank für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (National Bank for Agriculture and Rural Development – NABARD), dem wichtigsten Instrument der Regierung für die Entwicklung des ländlichen Finanzsektors, zusammen. Dabei leistet die GIZ technische Unterstützung, um die Kapazitäten der NABARD sowie der Finanzinstitutionen im ländlichen Raum und der Strukturen, auf die sich diese stützen, zu stärken und weiterzuentwickeln. Außerdem gewährt die GIZ der NABARD einen jährlichen Zuschuss zur Finanzierung von Maßnahmen zum Kapazitätsaufbau.

Die Maßnahmen des Programms sind mit der Asiatischen Entwicklungsbank, der Weltbank und der KfW Entwicklungsbank abgestimmt. Außerdem arbeitet das Programm mit relevanten deutschen Institutionen wie dem Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisen-Verband (DGRV) und der Akademie Deutscher Genossenschaften zusammen.

In Zusammenarbeit mit entscheidenden Akteuren setzt die GIZ zurzeit vier Programmkomponenten um:

  • Entwicklung eines kreditgenossenschaftlichen Schulungs- und Zertifizierungssystems. Die Komponente umfasst die Beratung der NABARD und des Bankers Institute of Rural Development (BIRD) beim Aufbau einer indischen Schulungs- und Zertifizierungsstelle. Außerdem unterstützt das Programm die Schulungs- und Zertifizierungsstelle bei der Zertifizierung von Schulungseinrichtungen sowie bei der Ausarbeitung von Schulungs- und Prüfungsmaterialien.
  • Verbesserung des kreditgenossenschaftlichen Prüfungswesens. Das Programm berät die NABARD in Bezug auf relevante politische Fragestellungen und unterstützt die Erarbeitung von Prüfungshandbüchern und Schulungen für Prüfer.
  • Förderung, Regulierung und Überwachung von MFOen. Das Programm berät die NABARD im Hinblick auf geeignete Richtlinien und Überwachungsstandards und fördert die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen der NABARD und den Akteuren der MFOen.
  • Zahlungssysteme und Überweisungen. Das Programm unterstützt die Beteiligten (Geschäftsbanken, die indische Post, das genossenschaftliche Kreditwesen) bei der Entwicklung und Institutionalisierung eines Geschäftskorrespondentenmodells, über das Migranten Geldüberweisungen tätigen können.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Der NABARD ist es gelungen, 25 indische Bundesstaaten davon zu überzeugen, dass eine Beteiligung an der Reform des genossenschaftlichen Kreditwesens sinnvoll ist. Dadurch erreicht die Reform 96 Prozent der kreditgenossenschaftlichen Institutionen des Landes, sodass bis zu 121 Millionen Genossenschaftsmitglieder von der Reform profitieren könnten. Bislang wurden in Bezug auf die laufenden Reformen noch keine umfassenden Wirkungsstudien durchgeführt, da es noch zu früh ist, um die Wirkung der erst vor kurzem auf den Weg gebrachten Programmkomponenten zu messen. Allerdings können bereits jetzt verschiedene Erfolge verbucht werden:

  • Finanzierungbeiträge. Durch die der NABARD gewährten Finanzierungsbeiträge konnten etwa 250.000 Vorstände und Mitarbeiter von Kreditgenossenschaften geschult werden. Nach Angaben einer unabhängigen Studie erklärten 80 Prozent der befragten Schulungsteilnehmer, dass sich ihre Leistung durch die Schulung verbessert habe.
  • Aufbau eines kreditgenossenschaftlichen Schulungs- und Zertifizierungssystems. Das nationale Schulungs- und Zertifizierungssystem für das genossenschaftliche Kreditwesen ist inzwischen ein Teil des BIRD und unter der Bezeichnung Centre for Professional Excellence in Cooperatives bekannt. Die beteiligten Akteure haben dabei viel durch den Besuch eines ähnlichen Instituts in Indonesien gelernt, das mit Unterstützung der GTZ (jetzt GIZ) aufgebaut wurde. Bis jetzt hat das Kompetenzzentrum 20 Schulungseinrichtungen zertifiziert und mit Unterstützung des Programms verschiedene Schulungshandbücher erstellt. Die Schulungen sollen 2011 beginnen.
  • Verbesserung des kreditgenossenschaftlichen Prüfungswesens. In Zusammenarbeit mit den GIZ-Beratern hat die NABARD Prüfungshandbücher ausgearbeitet. Nach der Genehmigung durch die zuständigen Behörden werden diese Handbücher für Orientierungs- und Schulungsprogramme in den indischen Bundesstaaten verwendet, die sich an der Reform des genossenschaftlichen Kreditwesens beteiligen.
  • Förderung, Regulierung und Überwachung von MFOen. Die NABARD hat in Zusammenarbeit mit der GIZ ein vorläufiges Überwachungssystem sowie Leistungsmaßstäbe und ein Rating-Instrument entwickelt. Die Arbeit in diesem Bereich wird fortgesetzt, sobald die NABARD offiziell mit der Überwachung der MFOen betraut wurde.
  • Zahlungssysteme und Überweisungen. Die Komponente hat ihre Arbeit 2010 aufgenommen und zunächst eine grundlegende Studie zur Ermittlung der Überweisungswege in Indien durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie werden Anfang 2011 vorgestellt und zur Planung der weiteren Maßnahmen dieser Programm-Komponente herangezogen.


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